Old Friedhelm, das Feierbiest

von Redaktion

Funkel hat wieder Blut geleckt

Typische Handbewegung: Friedhelm Funkel (71) stemmt die Zweitliga-Meisterschale hoch – als Nothelfer des 1. FC Köln ist er gerade zum siebten Mal in die Bundesliga aufgestiegen. © dpa

Köln – Als der Aufstieg dann geschafft war und auch die obligatorischen Bierduschen einen Abschluss gefunden hatten, hockte Friedhelm Funkel im Kölner Presseraum und sah ein bisschen erschöpft aus. Hätte er vorher verloren und nicht durch ein 4:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga fixiert – man hätte glatt denken können, da säße ein begossener Pudel. Aber nein, es war ein sehr glücklicher Pudel, siegestrunken nur gerade ein bisschen.

Auf der Tribüne war die Zweitligameisterschaft da schon gefeiert worden, DFL-Direktor Ansgar Schwenken hatte Funkel eine Medaille umgehängt, DFL-Geschäftsführer Marc Lenz überreichte dazu den Meisterwimpel und die Zweitliga-Meisterschale.

Funkel war sich bewusst, dass er eigentlich nur einen halben Finger an das gute Stück hätte legen dürfen. Und so vergaß der 71-Jährige nicht, seinem auf Rang zwei geschassten Vorgänger Gerhard Struber ein ausdrückliches Lob auszusprechen: „Sein Anteil am Aufstieg ist viel größer als meiner. Ich habe das i-Tüpfelchen drauf machen dürfen, weil er mir eine top-vorbereitete Mannschaft hinterlassen hat.“ So viel Anstand musste sein.

Was Funkel dann noch sagte, darf getrost als öffentliche Bewerbung für eine Weiteranstellung aufgefasst werden. Die zwei Wochen als Chefcoach hätten ihm „wahnsinnig viel Spaß gemacht“. Dass er „Bock“ gehabt hätte, diesen Job zu verrichten, habe sicher „jeder gesehen“. Er sei „für alles offen“.

Der liebe Kollege Torsten Lieberknecht nahm nur allzu gerne die Rolle des Funkel-Fans ein: „Der ist top-fit. Kein Gramm Fett dran. Kann feiern wie ein Biest. Ich kann dem 1. FC Köln nur den Rat geben: Macht die Schatulle auf und haltet ihn hier.“

Die „Schatulle“ gibt kommende Saison ein paar Milliönchen mehr her, das ließ der scheidende Präsident Werner Wolf inmitten der Feierlichkeiten mathematisch präzise herleiten, soweit man den guten Mann in dem Jubelgetöse richtig verstanden haben mochte. Um 40, 50 Millionen ist die Schatulle praller gefüllt.

Ergo: Es spricht wenig dagegen, dass old Friedhelm bleibt, zumal es außer Interims-Sportchef Thomas Kessler niemanden am Geißbockheim gibt, der Ahnung hätte, wie der Trainermarkt aussieht. Kessler sagt, er sei Funkel „brutal dankbar, dass er es geschafft hat“.

Das klang alles nicht wie eine abgeschlossene Vergangenheit, sondern eher wie ein Zukunftsprojekt an einem Standort, der, so Kessler, „besonders schön, aber auch besonders grausam sein kann“. Funkel sieht gerade aus nachvollziehbaren Gründen vorwiegend die Schönheit, sollte sich in einer ruhigen Minute aber auch sehr genau überlegen, welch unangenehme Aufgabe da vor ihm liegen könnte. Und wie viel anstrengender der lange Zuckeltrab durch die Ebene sein dürfte im Vergleich zum rasenden Galopp in die erste Liga.

Erst einmal liegt die Stadt sich aber in den Armen. Die verzweifelten Versuche des Stadionsprechers, das Stürmen des Innenraums doch bitte zu unterlassen, wurden nach Schlusspfiff genau eine Zehntelsekunde beachtet. Danach brach der Jubel alle Dämme. Friedhelm Funkel, zum dritten Mal Trainer des großartigen Effzeh, wird gerade von der Flut der Emotionen mitgerissen.
JAN CHRISTIAN MÜLLER

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