Der Nachnominierte: Marcel Noebels. © DEB/City-Press
Kaum zu glauben: Der Puck geht nicht rein, der Schuss von Dominik Kahun (l.) geht an den Pfosten. © dpa
Herning/München – Dienstag, 20.20 Uhr, beste Sendezeit – und eine Lage, die sich zuspitzt: Vorrundenfinale bei der Eishockey-Weltmeisterschaft, Endspiel um Platz vier in der Gruppe von Herning: Gastgeber Dänemark gegen Deutschland, das die Teilnahme an der Runde der besten Acht als Pflichtziel ausgegeben hat. Jedes Team geht mir neun Punkten in dieses Match, wer es gewinnt, nach 60 Minuten, in Verlängerung oder im Penaltyschießen, für den geht das Turnier am Donnerstag weiter. So ist die Lage, nachdem die deutsche Mannschaft am Montagabend nicht weiter hatte punkten können. Sie unterlag Tschechien 0:5 (0:1, 0:2, 0:2).
Marcel Noebels will über die Vorrunde hinaus noch dabeisein. „Ich habe für Schweden gepackt“, sagte der Berliner, der kurz vor WM-Beginn aus dem Kader gestrichen, wegen des Ausfalls von NHL-Stürmer Lukas Reichel aber zurückgeholt worden war. „Ich bin nicht nachtragend, es ist eine Charaktersache, dass ich wieder hier bin“, erklärte der Berliner und versicherte, daran zu glauben, dass das deutsche Team sogar bis in die in Stockholm stattfindenden Halbfinals vordringen könne. Bundestrainer Harold Kreis veränderte für Noebels seine Aufstellung. Die Münchner Patrick Hager und Yasin Ehliz mussten weichen, Noebels sollte seinem bislang torlosen Eisbären-Kollegen Leo Pföderl auf die Sprünge helfen.
Zuletzt hatte Deutschland gegen Tschechien bei einer WM 2007 gewonnen, seitdem gab es 18 Niederlagen, von einem Sieg gegen den Weltmeister von 2024 mit NHL-Superstar David Pastrnak war also gar nicht erst auszugehen. Es ging darum, zu einer Linie zu finden, mit der man im Nervenduell gegen die Dänen bestehen kann. Kreis wies die bislang enttäuschenden NHL-Koryphäen Moritz Seider und Tim Stützle an, „dass sie einfach ihr Spiel, ihren Job machen und nicht noch den halben von jemand anderem“. Allgemeiner Appell des Bundestrainers: „Unser Rückgrat ist die Lauf- und Zweikampfstärke.“
Doch welche Erkenntnisse lassen sich aus der dritten klaren Niederlage (zuvor Schweiz 1:5, USA 3:6) ziehen? Zunächst: Die Tschechen haben nach einer Durststrecke von 14 titellosen Jahren wieder ein Spitzenteam, sie sind definitiv ein Anwärter auf das Finale am Sonntag in Stockholm. Pastrnak (5.), Lukas Sedlak (27.), Jakub Flek (30., 57.) und Jakub Lauko (41.) waren vor Mathias Niederbergers Tor eiskalt, und in der Rückwärtsbewegung arbeitet das gesamte Team mit unerbittlicher Konsequenz. Auch in ihren Druckphasen, die die Deutschen aufsetzten, kamen sie kaum zu Torschüssen, weil die tschechischen Spieler häufig einen Körperteil in die Flugbahn des Pucks brachten.
Dazu kam der Faktor Pech: Dominik Kahun (20.) und Tim Stützle (25.) trafen nach starken Aktionen den Pfosten. Und als man zu Beginn des letzten Drittels Überzahl hatte und auf den Anschluss zum 1:3 hoffte, wurde Seider von einer Wasserlache ausgebremst, dass es ihn auf den Hosenboden setzte – 0:4. Es gilt weiterhin die Erkenntnis von Harold Kreis: „Wir verkaufen uns schlecht.“
Dänemark kann sich heute auf eine volle laute Halle verlassen (DEB-Präsident Peter Merten: „Da reichen unsere vielen Fans nicht aus“) und hat ein Team, das in den Flow gefunden hat. Es sind drei routinierte Spieler vom DEL-Spitzenteam Bremerhaven dabei, und gestern landete der mit den Winnipeg Jets am Wochenende aus den NHL-Playoffs geflogene Nationalheld Nicolai Ehlers in der Heimat. Die Deutschen haben nur die, die schon da sind.
GÜNTER KLEIN