Kane will mehr

von Redaktion

Liebeserklärung an Bayern – und Sehnsucht nach dem großen Pott

München – Immerhin hatte Harry Kane zwei Trostpreise zu Hause, denn ansonsten – man stelle sich das mal vor! – wäre dieser Mittwochabend für den Stürmer des FC Bayern noch härter gewesen. Schon so, also dekoriert mit Meisterschale und dem frisch verliehenen Award als Spieler der Bundesliga-Saison, hat sich der 31-Jährige während dieses Europa-League-Finals im Wechselbad der Gefühle befunden. Natürlich war er für die Tottenham, also jenen Verein, für den er fast 20 Jahre seines Lebens aufgelaufen ist. Aber dass die „Spurs“ nun ausgerechnet ohne ihn den ersten Titel seit dem Liga-Pokal in der Saison 2006/07 gewinnen? Harter Tobak.

Die Gratulationen fielen daher verständlicherweise zunächst recht förmlich aus. Das simple Wort „Congratulations“ war unter dem Post auf Instagram zu sehen, auf dem Kane die offizielle Gewinner-Kollage von Tottenham zeigte. Immerhin: Meister ist er ja jetzt, er weiß: „Es fühlt sich gut an, ein Champion zu sein.“ Und die Bilder aus Spanien haben die Lust auf mehr nur noch verstärkt. Auch Kane will jetzt einen größeren Pott.

Der Partymarathon hat seinen kleinen persönlichen Höhepunkt am Dienstag gefunden. Die Trophäe für den „Bundesliga-Spieler der Saison“ ist vergleichsweise klein, aber sie schmückt Kane, der sagt: „Ich bin stolz auf diese Leistung, denn die Konkurrenz ist groß.“ Der Dank geht an den Verein, das Team, den Staff, „ohne die das nicht möglich gewesen wäre“. Aber der zusätzliche „Bonus“ auf die Meister-Saison kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kane Luft nach oben hat. Zwar sind ihm in der abgelaufenen Spielzeit zum fünften Mal hintereinander mehr als 25 Liga-Treffer gelungen. Nach 36 in der ersten Bundesliga-Saison waren es diesmal „nur“ 26. Eine kleine Formdelle gegen Ende der Saison war nicht zu leugnen.

Letztlich war das egal, denn die Meisterschaft, Kanes erster Titel, war dennoch drin. „Ein noch besseres Gefühl“ sei der Titel gewesen, „als alle anderen es beschrieben haben“, sagte Kane, der – anderslautenden Gerüchten zum Trotz – übrigens keine Abschiedsgedanken hat. Die Worte, die er zum Abschluss der Saison bei „ITV“ äußerte, klingen wie eine Liebeserklärung an den FC Bayern – und die Abkehr von dem Vorhaben, den Rekord als bester Premier-League-Torschütze in naher Zukunft zu brechen.

„Ich bin wirklich glücklich hier in München. Meine Familie hat sich eingelebt. Meine Kinder lieben es hier in der Schule, also ja, das ist mein Leben hier auf absehbare Zeit“, sagt Kane. Den Trainer, die Mannschaft – er „liebe“ alles beim FC Bayern. Und der Engländer ist sich sicher, dass „wir gerade erst am Anfang einer wirklich erfolgreichen Phase für diesen Verein stehen“. Zu mehr Titeln will der Wahlmünchner „einen großen Teil“ beitragen. Das klingt gut, zumal die Bayern nach Informationen unserer Zeitung keine Ambitionen haben, einen Back-up für ihren Superstar unter Vertrag zu nehmen. Kane soll weiter liefern. Und alle wissen: Er hat jetzt Blut geleckt.
H. RAIF, P. KESSLER, M. BONKE

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