Münchner Kindl: Pokalfinalist Christopher Lannert. © Imago
München – Von den Bambinis in Unterhaching über die Zwischenstation TSV 1860 (2022/23) bis ins DFB-Pokalfinale mit Arminia Bielefeld am Samstag gegen den VfB (20 Uhr/ZDF) – die Karriere von Christopher Lannert liest sich wie ein Fußballmärchen. In unserem Interview spricht der Defensivspieler über Aufstiegsfeiern im Supermarkt, den Glauben ans Pokalwunder – und besondere Terminplanungen…
Herr Lannert, als Arminia Bielefeld als Aufsteiger in die 2. Liga feststand, ist das Team in einen Getränkemarkt gelaufen.
Es war der vorletzte Spieltag. Unsere Konkurrenten mussten schon am Samstag ran, während wir auf unseren Teambus warteten, um für das am Sonntag angesetzte Spiel nach Unterhaching zu fahren. Wir verfolgten die Ergebnisse – und nach fünf Minuten Busfahrt stand unser Aufstieg fest. Wir haben sofort den nächsten Parkplatz gewählt und uns im Supermarkt für die Fahrt gut eingedeckt (lacht).
Können Sie sich noch an Ihre ersten Schritte im Vereinsfußball erinnern?
Ich habe mit vier Jahren das Fußballspielen im Verein begonnen. Bei der Spielvereinigung Unterhaching gab es damals eine G-Jugend. Dann ging es für mich in die U 8-Auswahl von 1860 München. Zwei Jahre später wechselte ich zum FC Bayern, wo ich fünf Jahre blieb. Dann folgten sieben Jahre im Jugend- und Amateurbereich des FC Augsburg.
2020 nahmen Sie ein Angebot von Drittligist SC Verl an. Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt 2021/22 wechselten Sie zu 1860 zurück.
Ich habe mich sehr gefreut, in meine Heimatstadt zu einem meiner Ex-Clubs zurückzukehren. 1860 war in der Vorsaison Vierter geworden und wollte in die 2. Liga aufsteigen. Ich war überzeugt, dass wir Großes erreichen können. Die Strahlkraft von 1860 hat mich beeindruckt, das war etwas ganz anderes im Vergleich zu Verl.
Jetzt steht mit Bielefeld das Pokalfinale an. Sie haben in jeder Runde einen Favoriten eliminiert. Wie produziert das Team Wunder am Fließband?
Wir werden als Team oft nach einem Erfolgsgeheimnis gefragt, aber es ist schwer zu erklären. Ich kann nur betonen: Wir haben in jedem Pokalspiel einhundert Prozent Leistung abgerufen. Wir hatten nie Angst vor dem Gegner und wollten nie einen Bus im Tor parken, sondern mit Leidenschaft Fußball spielen. Und wenn man sieht, dass die Arbeit fruchtet, steigt auch das Selbstvertrauen. Irgendwann bist du der Überzeugung, wirklich jede Mannschaft besiegen zu können.
Wir haben erfahren, dass Sie am 31. Mai heiraten – und zuvor, am Tag des Pokalfinales, war Ihr Junggesellenabschied geplant.
Mein Trauzeuge hatte sich für den 24. Mai das Finale des Westfalenpokals notiert – und dass wir nach dem Spiel in einer gut gelaunten Runde mit einigen Freunden einen großartigen Junggesellenabschied feiern. Nur kam uns jetzt das DFB-Pokal-Finale dazwischen…Aber wir haben umgeplant: Meine ganzen Jungs kommen jetzt mit nach Berlin. Erst zum Finale ins Stadion – und dann wird gefeiert, ganz gleich, wie das Spiel ausgeht.
INTERVIEW: DANIEL MICHEL