Der Dauerbrenner bleibt in München

von Redaktion

Vladimir Lucic führt die Bayern-Basketballer ins Halbfinale – und verlängert

Hinein ins Glück: Im dritten Viertelfinale am Samstag war Lucic mit 19 Punkten der Topscorer dr Münchner. © IMAGO/Fehrmann

München – Eine Sache gab es doch noch, bevor die Basketballer des FC Bayern in zwei freie Tage entschwinden konnten. Vladimir Lucic hatte was zu sagen. Und so schnappte sich der Münchner Kapitän das Hallenmikrofon. „Ich werde“, setzte der Serbe auf Deutsch an, „ich werde auch nächstes Jahr hier sein.“ Auf Englisch kam es für den, längst verzückten Anhang noch besser: „Ich habe meinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.“ Okay, ein bisschen Spott musste Lucic zwischen all der Zuneigung auch noch hinnehmen. Zum Beispiel von Trainer Gordon Herbert. „Das Beste heute war Vladis Deutsch“, feixte der Coach, „ich denke, meines ist besser.“

Aber man merkt: Die Misstöne der vergangenen Wochen sind bei den Bayern erst einmal abgehakt. Der sportliche Wiederaufschwung wird sein Übriges tun. Am Samstag gab es auch im dritten Viertelfinale gegen den Mitteldeutschen BC ein 80:69 (42:40). Das Halbfinale haben die Münchner gebucht – Heidelberg oder Chemnitz wird der nächste Stolperstein auf dem Weg zur Titelverteidigung heißen. Topscorer Lucic (19 Punkte) gefiel es: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Zumindest für einen Abend war das freilich fast schon Nebensache angesichts der von unserer Zeitung angekündigten Neuigkeiten um den Kapitän, der also einem zehnten und elften Jahr an der Isar entgegensieht. Ein Risiko will darin auch angesichts der fast 36 Jahre des Dauer-Bayern niemand sehen. Auch Herbert nicht. „Er ist ein außergewöhnlicher Profi“, sagte der Kanadier, „er hat den Körper eines 27-Jährigen.“ Lucic selbst sieht es vor allem als „Genetik“ – sein Bruder Uros war ebenfalls mit 38 noch als Profi aktiv. Vernunft ist auch ein Teil der Wahrheit. Im Vorjahr ließ er nach der Meisterschaft mit den Bayern sogar Olympia sausen.

Lange Zeit hatte sich ja auch Lucics Heimatclub Partizan Belgrad um seine Rückkehr bemüht. Am Ende waren es auch viele „weiche“ Faktoren, die ihn zum Verbleib an seiner dritten und damit wohl auch letzten Profistation bewegten. Seine drei Kinder wurden alle drei in München geboren und sind, ganz anders als der Papa, auch im Deutschen sattelfester als in der Heimatsprache.

Ein gewichtiges Argument ist auch die medizinische Abteilung. „Die medizinische Abteilung mit den Ärzten und Physiotherapeuten ist definitiv die beste in ganz Europa“, sagte Lucic. Der Mann weiß, wovon er spricht, er hatte sich vor allem in den beiden letzten Spielzeiten mehrfach komplizierte Verletzungen zugezogen. So wie den Muskelriss zu Beginn dieser Saison bei den Baskets Bonn. Und immer wieder trimmte man ihn fit. Für viele ist der Dauer-Münchner sogar auf einem ähnlichen Fitnesslevel wie 2021, als ihn die Euroleague am Ende sogar in ihr Team des Jahres wählte.

Was die beiden Extra-Jahre sportlich mit sich bringen mögen, damit will sich Lucic nicht weiter befassen. Klar, mit ihm an Bord robbte sich der Verein von der europäischen Mittelklasse im zweitklassigen Eurocup bis ans erweiterte Spitzenfeld der Euroleague heran. In drei der fünf vergangenen Jahren brachten es die Bayern mit ihrem Anführer über die Hauptrunde hinaus. Wobei Lucic selbst gerade die laufende Saison, in der die Bayern ihre bislang zweitbeste Bilanz mit 20 Siegen in 36 Partien durchaus kritisch sieht. „Wir waren bis auf ein Spiel an den Playoffs dran“, sagte er, „aber wir haben es eben nicht geschafft.“

Aber fürs Erste hat der Routinier ohnehin die nationale Trophäe im Sinn, zu der noch sechs Siege fehlen. Lucic hatte sie als Bayer schon dreimal in den Händen. Doch: „Davon kannst du niemals genug bekommen.“
PATRICK REICHELT

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