Novak Djokovic bejubelt in Genf seinen Erfolg – den 100. seiner langen Karriere © Trezzini/dpa
Genf – Meilenstein hin, Tennis-Geschichte her: Novak Djokovic scherzte viel lieber mit seinen Kindern Stefan und Tara auf der Spielerbank herum, strahlte vor schierem Glück und hatte kaum Augen für die riesige 100 aus Gold-Ballons auf dem Center Court von Genf – Prioritäten eines Vollblut-Familienvaters. Dass der 38-Jährige unmittelbar vor den French Open die lange Jagd nach dem vermaledeiten Hunderter-Titel erfolgreich vollendet hatte, erfüllte ihn dennoch mit tiefer Genugtuung.
„Es ist so schön, dass heute meine Familie hier sein konnte. Sie und mein Team waren immer bei mir, in guten wie in schlechten Zeiten“, sagte der „Djoker“ nach dem epischen 5:7, 7:6, 7:6-Finalsieg gegen den Polen Hubert Hurkacz, mit dem er als erst dritter Spieler nach Jimmy Connors (109 Titel) und Roger Federer (103) die magische Marke erreicht hatte: „Dieser 100. Turniersieg bedeutet wir wirklich viel.“
Weil sportlich die schlechten Zeiten zuletzt die guten überwogen hatten, gehörte Grand-Slam-Rekordsieger Djokovic eigentlich nicht zum engeren Favoritenkreis auf den Roland-Garros-Titel. Nach dem Genfer Meilenstein aber steht der dreimalige Paris-Champion plötzlich wieder ganz weit oben im Experten-Kurs.
„Novak hat so viele großer Turniere gewonnen, den muss man immer auf der Liste haben“, sagte Djokovics Ex-Trainer Boris Becker, der seinem früheren Schützling via X ein inniges „Glückwunsch, Schatzi!“ sendete. Und auch John McEnroe mahnte, dass man Djokovic „nicht abschreiben“ darf, zumal dieser „die beste Auslosung von allen erwischt“ habe – die auch Alexander Zverev inkludiert, auf den er im Viertelfinale treffen könnte.
Bis Genf, wo er 19 Jahre nach seinem ersten Titel (2006 in Amersfoort) die 100 vollendete. Mit sehr viel frischem Selbstbewusstsein reiste nun Djokovic am Sonntag nach Paris weiter, wo er in der ersten Runde auf auf Mackenzie McDonald (USA) trifft. Doch wie weit kann die Reise gehen?
Mit 38 Jahren stand Roger Federer im Halbfinale der Australian Open, Jimmy Connors unter den letzten vier der US Open. Abseits solcher Ausnahmen hat Djokovic aber ein Alter erreicht, in dem kein moderner Tennisspieler auf höchstem Niveau dominieren konnte. Und dieses braucht er, um in Paris mit den jungen Kraftbolzern Carlos Alcaraz (kam zwei Monate vor Djokovics erstem Profimatch auf die Welt) und Jannik Sinner mitzuhalten.
Hinter den beiden sei Djokovic „mein dritter Favorit“, sagt McEnroe. Und in einem Match gegen Zverev sehe „Big John“ den „Big Djoker“ ebenfalls vorne: „Zverev spielt nicht mit dem gleichen Selbstbewusstsein wie bis zum Australian-Open-Finale.“
Jener Zverev absolvierte gerade auf dem riesigen Pariser Court Philippe Chatrier ein Schabernack-Training mit Frankreichs Tennisidol Yannick Noah. „Die ersten Spiele werden für mich sehr wichtig“, sagte Zverev, der am Dienstag gegen den starken US-Teenager Learner Tien ins Turnier startet. Bis zum möglichen Rendezvous mit „Schatzi“ ist es weit.
SID