VfB im Rausch

von Redaktion

Stuttgart veredelt die Reise unter Hoeneß mit dem Triumph im DFB-Pokal

Autokorso: In Stuttgart feierten bis zu 35 000 Fans ihre Pokal-Helden. Danach stieg am Schlossplatz die große Feier. © dpa

Sektdusche für den Architekten: Sebastian Hoeneß musste die Pressekonferenz abbrechen. © Mueller/Imago

„Dieser Moment wird für immer bleiben“: Stuttgart feiert den ersten Titel seit 2007. © Rahn/Imago

Berlin – Stolz trug Deniz Undav die glänzende Trophäe zum VfB-Partymarathon. Trainer Sebastian Hoeneß genoss derweil beseelt lächelnd den DFB-Pokal-Triumph bis tief in der Nacht mit seinem Vater Dieter an der Spree. Es sei ein „fetter Eintrag in die VfB-Geschichte“, dankte Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth der Mannschaft, als sie sich nach dem 4:2 gegen Arminia Bielefeld bei den Feierlichkeiten des Clubs mit geladenen Gästen präsentierte.

Es ist der erste Titel des VfB seit der Meisterschaft 2007 und der erste DFB-Pokalsieg nach fast drei Jahrzehnten – naturgemäß waren alle ausgelassen und bester Laune. „Jetzt müssen wir uns wahrscheinlich neues Briefpapier zulegen – wir können es uns jetzt auch besser leisten“, scherzte Wohlgemuth.

Schlafen wollte die Siegertruppe nicht. „Das ist der schönste Tag in meinem Leben. Dieser Moment wird für immer bleiben“, sagte VfB-Kapitän Atakan Karazor. „Verrückt“, meinte Senkrechtstarter Nick Woltemade. „Phänomenal. Wahnsinn.“

Glückselig konnten sich die Schwaben mit ihrem Sonderflieger zurück auf den Weg in die Heimat machen. In Stuttgart waren sie vor einem Autokorso und der geplanten Party-Fortsetzung mit den Fans auf dem Schlossplatz zum Eintrag ins Goldene Buch ins Rathaus eingeladen.

Die Freude über den vierten Pokalsieg des VfB nach 1954, 1958 und 1997 sei „unbeschreiblich“, meinte VfB-Coach Hoeneß. Nachts um halb drei stand er auf der Terrasse des Eventlokals „Spindler & Klatt“ und konnte noch nicht begreifen, was er und der VfB geleistet haben. Nun hat auch der 43-Jährige den zweitwichtigsten Titel im deutschen Fußball gewonnen – als Nächster der Hoeneß-Familie nach seinem Onkel Uli und seinem Vater Dieter.

Dass die Bundesliga-Saison wechselhaft verlief – abgehakt. All die Rückschläge der mäßigen Rückrunde – vergessen. Der Schrecken über die zwei Gegentore in den letzten Minuten des lange einseitigen Pokalfinals – unwichtig. Gnadenlos, mit Effizienz und Spielfreude, hatte der klar favorisierte Erstligist die Fehler des Drittliga-Meisters und Zweitliga-Aufsteigers Bielefeld entscheidend ausgenutzt. Der Sensationslauf der Arminen war gestoppt. „Pure Ekstase“, beschrieb Karazor den Rausch. „Alle sind glücklich, alle wollen feiern, alle wollen trinken, alle wollen Spaß haben“, sagte Undav über die Mannschaft, die nach dem Kurz-Besuch beim Bankett weiterzog.

Sein bevorzugtes Getränk: Jägermeister. „Ich mag kein Bier“, gestand der Torjäger. Auch Taktgeber Angelo Stiller trinkt gern den Kräuterlikör. Für eine solch ausgelassene Titelparty gab es in Stuttgart lange keinen Anlass. Ganz im Gegenteil. Nach den turbulenten Jahren der jüngeren Vereinsgeschichte mit zwei Spielzeiten in der 2. Liga hatten sich die Schwaben auch 2022 und 2023 mit dem drohenden Abstieg befassen müssen.

Dass die Mannschaft unter Hoeneß in nur zwei Jahren vom Relegationsteilnehmer zu einem Titelträger wächst, hätte anfangs wohl kaum jemand gedacht.

Seit 2019 war die Hauptstadt für den Verein ein Ort des Abstiegs und der Trauer, in Köpenick bei Herthas Stadtrivalen Union Berlin war der VfB damals in der Relegation gescheitert. Nun ist das Berliner Olympiastadion mit einem Erfolg „für die Ewigkeit“ (Wohlgemuth) verknüpft.
DPA

Artikel 1 von 11