Endlich: Denz beschert seinem Team einen Erfolg. © dpa
München – Auf Bilder wie diese hatte man bei Red Bull-Bora-hansgrohe schon kaum mehr zu hoffen gewagt. Ein Profi in den schwarz-grünen Farben des Raublinger Rennstalls, der Küsse in Richtung Publikum schickt. Doch: Es war nicht Primoz Roglic, auch nicht Jai Hindley – Nico Denz, einer der harten Arbeiter im Team, bejubelte den Sieg auf der 18. Giro-Etappe von Morbegno nach Cesana Maderno.
Denz hatte sich 18 Kilometer vor dem Ziel aus einer elfköpfigen Ausreißergruppe abgesetzt und triumphierte am Ende mit 61 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Mirco Maesti und dem Belgier Edward Planckaert. Selbst Ex-Champion John Degenkolb verneigte sich bei Eurosport: „Das war stark, ein Sieg des Kopfes.“
Und es war ein Sieg, der auch sein, so schwer geschlagenes Team ein bisschen versöhnte. Das eigentlich vorgesehen hatte, Roglic in Rosa nach Rom zu bringen. Stattdessen stieg der Topfavorit am Dienstag vorzeitig aus. Gezeichnet von mehreren Stürzen im Giro-Verlauf kletterte Roglic auf der Königsetappe in ein Teamfahrzeug und blickt in eine ungewisse Zukunft: Das bittere Scheitern könnte eine teaminterne Wachablösung eingeläutet haben. Der Frust war riesig, bei Roglic wie auch seiner deutschen Mannschaft. „Es ist bedauerlich für uns als Team“, sagte Teamchef Ralph Denk: „Dieser Giro d‘Italia war ein großes Saisonziel. Es ist nicht das, was wir wollen, aber so ist der Sport.“
Für den Rennstall hätte Roglic eine bislang enttäuschende Saison korrigieren sollen. Schon die Klassiker waren nicht nach Wunsch verlaufen. „Viel vorgenommen“ hatte man sich deshalb für die erste große Landesrundfahrt des Jahres, neben Roglic schickte Red Bull-Bora-hansgrohe auch Ex-Champion Jai Hindley ins Rennen. Beide Top-Fahrer sind in der Schlusswoche nach Stürzen nun nicht mehr dabei. „Das Glück war in den letzten zwei Wochen nicht auf unserer Seite“, sagte Denk. Noch ist der Giro nicht beendet. Trotzdem richtet sich der Blick bereits vorsichtig in Richtung Sommer. „Wir müssen uns auf die nächsten Ziele konzentrieren“, sagte Denk. Für Roglic bedeute das die Tour de France. In welcher Rolle Roglic die Frankreich-Rundfahrt in Angriff nehmen wird, ist derzeit aber noch unklar.
Beim Giro sorg statt dem Slowenen weiter Isaac del Toro für Furore. Das mexikanische Top-Talent gewann den 17. Teilabschnitt in beeindruckender Manier und baute seinen Vorsprung im Kampf um das Rosa Trikot aus. „Er ist gefahren wie ein Wahnsinniger“, sagte Romain Bardet.
RP/SID