Knie-Drama um Kevric

von Redaktion

Ende der EM-Träume für 17-Jährige – Gold im Mixed-Team

Sensationell: Timo Eder und Karina Schönmaier gewannen Gold im Mixed-Team. © Murat/DPA

Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste Helen Kevric von Bundestrainer Gerben Wiersma und Mannschaftsarzt Rainer Eckhardt aus der Halle getragen werden. © Huebner/Imago

Leipzig – Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt sich Helen Kevric das bandagierte linke Knie. Nach der Landung beim Sprung war die 17 Jahre alte Turnerin gestürzt und anschließend auf dem Rücken liegen geblieben. Die Stuttgarterin wurde von Bundestrainer Gerben Wiersma und Mannschaftsarzt Rainer Eckhardt aus der Halle getragen. Später wurde Kevric für weitere Untersuchungen des verletzten Knies ins Krankenhaus gebracht.

Die erste Diagnose aus dem Hospital lässt einen längeren Ausfall befürchten. Sie habe eine Kniescheibenband-Verletzung erlitten, teilte Bundestrainer Gerben Wiersma mit. Sie werde für detailliertere medizinische Untersuchungen der lädierten Patellasehne zurück nach Stuttgart gebracht. Anschließend soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Doch Fakt ist: Ihre Medaillen-Träume bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig endeten gleich am ersten Gerät des Mehrkampf-Finales auf dramatische Weise – die Titelkämpfe sind für Kevric komplett beendet. „Sie wird morgen definitiv nicht am Stufenbarren starten“, sagte der Niederländer. „Ich bin sehr traurig und es tut mir leid für Helen. Es ist fürchterlich“, sagte Wiersma. Wie es zu der Verletzung kam, konnte auch er nicht erklären. „Ich war genauso überrascht wie alle anderen“, sagte der Bundestrainer, „plötzlich lag sie da“.

Kevric hatte sich als Drittbeste für das Finale qualifiziert und war mit berechtigten Medaillen-Hoffnungen an den Start gegangen. Überdies hatte sie als Beste den Endkampf am Stufenbarren erreicht und damit beste Aussichten, an ihrem Spezialgerät den EM-Titel zu gewinnen. Zuletzt war dies Elisabeth Seitz 2022 in München gelungen. Die 31-Jährige erklärte kurz vor Beginn des Mehrkampf-Finales ihren Rücktritt und gab dabei bekannt, dass sie Mutter wird.

Knieprobleme hatten Kevric schon seit ihrer Ankunft in Leipzig begleitet. Deswegen hatte sie beim Podiumstraining auf Akrobatikreihen verzichtet und die Übungseinheit am Sprung ganz weggelassen. Wiersma hatte dies nur als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet. Bei der Qualifikation und dem Gewinn von Silber mit der Mannschaft hatte sie dann einen stabilen Mehrkampf mit einer glanzvollen Übung am Stufenbarren gezeigt. „Meinem Knie geht es schon deutlich besser. Wir haben ja extra das Podiumstraining am Boden und am Sprung weggelassen, damit ich heute einsatzbereit bin“, hatte sie anschließend gesagt.

Deutlich schöner verlief der Mittwoch. Timo Eder und Karina Schönmaier fassten sich erst völlig ungläubig an den Kopf und fielen sich dann überglücklich in die Arme: Das deutsche Mixed-Team hatte überraschend Gold gewonnen. Das Duo aus Ludwigsburg und Bremen schaffte bei der Premiere der Disziplin mit mitreißenden Übungen den Sprung ins Finale und setzte sich dort dann auch noch gegen Großbritannien durch.
SID

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