ZUM TAGE

DFB-Frauen im Aufschwung – auch ohne Oberdorf

von Redaktion

Das Torfestival der deutschen Fußball-Frauen am Dienstag gegen Österreich (6:0) geriet mit der Gala gegen die Niederlande (4:0) zum doppelten Statement vor der EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli). Skepsis hat sich in Optimismus verkehrt, Zweifel ist in Zuversicht umgeschlagen. Bundestrainer Christian Wück sieht eine „gewisse Euphorie“ entfacht.

Der 51-Jährige wird am 12. Juni im Europa-Park in Rust seinen Kader benennen. Die 23 auserwählten Spielerinnen, die vom Bundestrainer dann im Schweizer Themenbereich zwischen Attraktionen wie Matterhorn-Blitz und Jungfrau-Gletscherflieger vorgestellt werden, sollen natürlich so früh wie möglich Bescheid wissen. Dummerweise beginnt das Turnier ja erst in knapp einem Monat, sodass die Protagonisten ihre Frühform irgendwie über den Urlaub konservieren müssen. Ab 19. Juni will Wück dann im Trainingslager in Herzogenaurach an „Feinschliff, Teamstruktur und taktischen Dingen“ feilen.

Das Gerüst für die Gruppenspiele gegen Polen (4. Juli), Dänemark (8. Juli) und Schweden (12. Juli) steht. Auch ohne eine Lena Oberdorf, die erneut nur von der Tribüne zusehen konnte. Gestern bestätigte der Bundestrainer, dass es keinen Sinn macht, eine fast ein Jahr verletzte Spielerin mitzunehmen. Dem Fachmann ist nicht entgangen, dass eine Führungskraft ohne Praxis kaum hilft, die ihren Stil vor allem über eine enorme Physis definiert.

Zu oft scheute die 23-Jährige im Training die Zweikämpfe oder entschuldigte sich für Fehlpässe. Daher konnte es nur darauf hinauslaufen, die EM ohne Oberdorf anzugehen, was ja auch der FC Bayern verlangt. Sie kann dann ja im Herbst helfen, die Nations League zu gewinnen. Spanien, Frankreich und Schweden sind mögliche Gegner fürs Halbfinale – gleichzeitig Anwärter auf den EM-Titel, für den nun auch der achtfache Europameister wieder ernsthaft infrage kommt.

Das deutsche Team schuf bei Strafraumbesetzung oder Vertikalpässen im ersten Durchgang auch ohne Oberdorf eine neue Benchmark. Zudem war fast jeder Schuss ein Treffer. Effizienz und Konsequenz im Abschluss stimmen anders als unter Horst Hrubesch und Martina Voss-Tecklenburg auch deshalb, weil sich der offensive Ansatz unterscheidet. Das schnelle Spiel nach vorne unter Wück beruht auf Prinzipien, die Hansi Flick inzwischen auch beim FC Barcelona predigt.

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