Der alte Mann hat zugeschlagen: Cristiano Ronaldo dreht nach dem Tor zum 2:1 ab. In der Allianz Arena herrschte klare Pro-Portugal-Atmosphäre. © AFP
Gewohnt einsatzbereit: Jubilar Joshua Kimmich. Er arbeitete hinten und setzte vorne Akzente. © dpa
Als der Hagel kam: Ungemütliches Aufwärmen. © dpa
München – Confederations Cup 2017, das bleibt der letzte Titeleintrag der Nationalmannschaft in den deutschen Fußballgeschichtsbüchern. Der Anlauf auf den Erfolg in der Nations League wurde am Mittwochabend von Portugal gestoppt, die deutsche Elf verlor ihr Halbfinale 1:2 (0:0), ihr bleibt nur das Spiel um Platz drei am Sonntag in Stuttgart. Fazit: Nach vielen Ausfällen fehlten Struktur und individuelle Qualität.
Dieses Spiel hatte ein gewaltiges Vorprogramm. Thema den ganzen Tag über: Das Wetter. Wegen extremer Gewitterwarnung verschickte die UEFA sogar fürsorgliche Mitteilungen an die Medien: Poncho mitnehmen! Kurz nach 20 Uhr rauschte dann wirklich die große Hagelshow über die Allianz Arena. Das Warm-up wurde unterbrochen, das Publikum auf den unteren Rängen suchte nach Fluchtwegen in überdachte Räume, der Anpfiff wurde auf 21.10 Uhr verschoben.
Mit etwas Verspätung begann folglich auch die Ehrung für Joshua Kimmich anlässlich des 100. Länderspiels. Die Hymne verfolgte er mit geschlossenen Augen, als Escort-Kid hatte er seinen Sohn dabei, der beim Hinauslaufen alle anderen Kinder übersprintete. Ganz der Papa.
Bei der Aufstellung überraschte Julian Nagelsmann mit einer Dreierkette mit Robin Koch („Er hatte eine gute Saison mit Frankfurt“) in der Mitte. Auch Bayern-Youngster Aleksandar Pavlovic war nicht in der Startelf erwartet worden. Nick Woltemade schon. Der Stuttgarter ist „nach einer starken Rückrunde“ (Sportdirektor Rudi Völler) eine neue deutsche Sturmhoffnung.
Portugal spielte in der ersten Hälfte auf die Portugal-Kurve, was immer ein großes erwartungsvolles Hallo von den Rängen gab, wenn vor allem Cristiano Ronaldo in seinem 220. Länderspiel im deutschen Strafraum aufkreuzte. Das war nicht zu oft der Fall, aber einige Male, wenn die Portugiesen konterten. „Vier Spieler, die 36 laufen“ hatte Nagelsmann beim Gegner ausgemacht. Der über links kommende Pedro Neto bereitete der DFB-Abwehr einige Probleme. Der ins deutsche Tor zurückgekehrte Marc-Andre ter Stegen bereinigte aber alles. Die etwas besseren Chancen im ersten Durchgang hatte Deutschland – zweimal durch Goretzka (4., 21.), einmal durch Woltemade nach Doppelpass mit Pavlovic (18.).
Ein Tor lag nicht in der abendfeuchten Luft – und doch fiel es drei Minuten nach Wiederaufnahme der Partie. Florian Wirtz, bis dahin nicht richtig im Spiel, stibitzte Portugal den Ball, gab ihn an Kimmich und verwertete dessen Chipball per Kopf zum 1:0. Doch die Mannschaft nahm diese glückliche Fügung nicht an, sie ließ sich zurückdrängen, als wäre es – und danach klang es in Fröttmaning – ein Auswärtsspiel. Und während Nagelsmanns Wechsel dem Spiel nicht gut taten, brachte Kollege Martinez die richtigen Spieler. Wie Francisco Conceicao, der mit einem Traumtor auf 1:1 stellte (63.). Und das Stadion bebte, als fünf Minuten später Cristiano Ronaldo der Ball so aufgelegt wurde, dass er zum 2:1 für sein Team einschieben konnte. Karim Adeyemi hatte mit einem Schuss an den Außenpfosten eine gute Aktion (82.), doch Portugal war schon deutlich besser.
GÜNTER KLEIN