Jubel nach dem 6:0: Die DFB-Frauen haben sich gegen Österreich viel Selbstvertrauen geholt. © IMAGO/Steinbrenner (2)
Nicht im EM-Kader: Bayerns Lena Oberdorf.
Wien – Die Hängepartie um Lena Oberdorf beendete Christian Wück, als seine EURO-Kandidatinnen gerade mit viel Rückenwind in den Urlaub düsten. „Sie ist auf einem guten Weg, aber die EM kommt zu früh für sie“, erklärte der Bundestrainer am Mittag nach der 6:0 (6:0)-Torparty bei der Generalprobe in Österreich. Eine Woche vor Bekanntgabe des Aufgebots ist der kniffligste Teil des Kaderpuzzles gelöst, bei der Schlüsselspielerin vom FC Bayern wog die fehlende Spielpraxis elf Monate nach ihrem Kreuzbandriss offenkundig zu schwer.
Nach intensiver Auswertung der Trainingseindrücke betonte Wück: „Es war wichtig für uns im Trainer*innenteam, dass wir ‚Obi‘ hier nochmal bei uns sehen, um ihr Leistungsvermögen umfassend einschätzen zu können.“ Die 23 Jahre alte Mittelfeld-Abräumerin, die schon Olympia-Bronze in Paris verpasst hatte, sei „grundsätzlich eine Bereicherung für uns alle – auf und neben dem Platz. Wir möchten ihr Zeit geben, um sich vollumfänglich vorzubereiten und freuen uns, sie in der neuen Saison wieder zu sehen.“
Wie rund es ohne sie laufen kann, hatte Oberdorf gemäß Absprache mit den Bayern (wie schon das 4:0 gegen die Niederlande vier Tage zuvor) als Zuschauerin im Wiener Franz-Horr-Stadions verfolgt. „Wir gehen mit viel Selbstvertrauen in die Vorbereitung“, bilanzierte Wück: „Dann hoffe ich, dass wir in diesem Flow am 4. Juli weitermachen können.“
Dann steht der EM-Auftakt gegen Polen an, die weiteren Gruppengegner sind Dänemark (8. Juli) und Schweden (12. Juli). Sein Kader stehe bereits zu etwa „90 Prozent“, verriet der Bundestrainer, „über zwei, drei Positionen“ müsse er sich mit seinem Trainerstab aber noch austauschen. Im letzten Casting für sich werben konnten vor allem Doppeltorschützin Sydney Lohmann (1., 39.) und Angreiferin Selina Cerci, die gegen schwache Österreicherinnen ebenfalls traf (26.). „Ich kenne meine Rolle. Ich freue mich über jede Minute, ich werde Gas geben“, sagte Mittelfeldspielerin Lohmann.
Auf 23 Spielerinnen muss sich Wück für das Turnier festlegen, mit 25 war der Ex-Profi in die letzten Nations-League-Gruppenspiele gestartet. Bei der angeschlagen abgereisten Cora Zicai (SC Freiburg) ist unklar, ob ihre muskuläre Verletzung rechtzeitig abklingt, Bayern-Talent Alara Sehitler könnte nach überstandenen Abiturprüfungen auch noch infrage kommen.
Nach zehn Toren in zwei Spielen ohne Gegentreffer nahmen die Spielerinnen „ein sehr gutes Gefühl“ mit in die Verschnaufpause, wie Kapitänin Giulia Gwinn versicherte: „Wir haben einen Riesenschritt gemacht.“
SID