Halbzeit in der Sommerpause des TSV 1860 München. Das Pausenfazit für die Planung der kommenden Drittligasaison fällt durchwachsen aus. Früh im Transfersommer konnten die Löwen starke Akzente setzen mit den Rückholaktionen von Kevin Volland, Kilian Jakob und Florian Niederlechner. Auch mit den beiden Durchstartern Sean Dulic (Vertrag verlängert) und Lukas Reich (Verkauf zu Zweitligist Fürth) wurde kurz nach Saisonende Nägel mit Köpfen gemacht.
Seitdem ist es ruhig geworden an der Grünwalder Straße 114. Unklar ist weiterhin, wie es mit Kreativkopf Julian Guttau und Mentalitätsmonster Anderson Lucoqui, beide wichtige Stützen in der Rückrunde, weitergeht. Die größte Baustelle jedoch gibt es nach dem Abgang von Marco Hiller auf der Torhüterposition. Nachdem der Ur-Löwe das reduzierte Angebot der Sechzger für eine Vertragsverlängerung ausschlug und sich nach 17 Jahren von den Fans verabschiedete (Ziel weiterhin unbekannt), ist die Rolle der Nummer eins zwischen den Pfosten vakant. Bis auf wilde Spekulationen ist in dieser Causa kaum Bewegung drin. Warum eigentlich? Unsere Zeitung erklärt die Gründe:
■ Aktuelle Situation
Mit Marco Hiller und Erion Avdija haben die Löwen zwei Keeper beim Saisonfinale gegen Aue (1:1) verabschiedet. Auch die Rolle von René Vollath wurde fixiert. Der 35-Jährige wird eine durchaus kuriose Doppelfunktion als Reservekeeper sowie Torwarttrainer einnehmen. Schreckt das den ein oder anderen potenziellen Neuzugang ab? Eine weitere spannende Personalie ist Miran Qela. 18 Jahre jung und vergangene Saison Stammtorhüter der eigenen U19 in der Bundesliga. Der Vertrag läuft Ende Juni aus, seine Zukunft ist offen.
■ Begrenztes Budget
Es ist die alte Leier bei den klammen Löwen: Geschäftsführer Christian Werner sind die Hände gebunden, die Sechzger gehen – Stand jetzt – mit einem Etat von rund 4,5 Millionen Euro in die neue Spielzeit. Große Sprünge kann 1860 in diesem Rahmen aktuell nicht mehr machen. Muss in den nächsten Wochen (wieder einmal) eine kurzfristige Etaterhöhung aushelfen?
■ Ladenhüter im Kader
Um weiteres Geld ausgeben zu können, muss 1860 zunächst einmal Spieler ohne Zukunft, aber mit gültigem Vertrag, von der Gehaltsliste bekommen. Neben Eliot Muteba soll allen voran Angreifer Fabian Schubert die Löwen verlassen. Nicht so einfach, besitzt der Österreicher immerhin einen gut dotierten Vertrag für die kommende Saison. Die Interessenten stehen nach der dürftigen Saison (zwei Tore) des 30-Jährigen nicht gerade Schlange. Gelingt es Werner, mit Schubert eine Lösung zu finden, würde ihm das in Sachen Budget eines neuen Stammkeepers einiges erleichtern.
■ Unmut der Fans
Klar, dass der Abgang des bei vielen Löwenfans beliebten Stammkeepers Hiller bei Teilen des Anhangs für Unmut sorgte. Dieser wächst momentan durch den Zustand, dass der Verein offenbar keine sichere Zusage einer neuen Nummer eins in der Hinterhand hatte.
Um der Euphorie rund um Volland und Niederlechner keinen Knacks zuzufügen, sollte Werner die Torhüter-Baustelle schnellstmöglich klären – 17 Tage bleiben noch bis zum Trainingsauftakt am 22. Juni.
MARCO BLANCO UCLES