Attacke aus den USA

von Redaktion

Basketball-Boss Pesic über Bayern, Nachwuchsarbeit und die Euroleague

Enge Vertraute: Pesic und Clubchef Hainer. © IMAGO

Der Meilenstein: Anfang Oktober zog der FC Bayern in den SAP Garden ein. © IMAGO/philippe ruiz

Schon bald Vergangenheit: Ivan Kharchenkov (l.) und Würzburgs Hannes Steinbach (Mitte) zieht es in diesem Sommer nach Übersee, aufs College. © IMAGO/Julien Becker

München – Man kann die Zukunft beim FC Bayern Basketball schon ein bisschen erahnen. Zumindest bei offiziellen Ereignissen wie den Playoff-Partien der Profis bleibt Marko Pesic im Hintergrund. Aber es ist ja auch nicht mehr lange hin. Knapp drei Wochen, dann beginnt er, der lange Abschied des Mannes, der eineinhalb Jahrzehnte lang das Gesicht des Vereins gewesen war.

Bis Jahresende wird der 48-Jährige dem dann installierten Führungsduo Dragan Tarlac/Adrian Sarmiento noch zur Seite stehen, dann tritt Pesic zumindest aus bisheriger Funktion ab. Einer Funktion, die er offenbar Steffen Hamann verdankt, wie Pesic im Club-Podcast „Open Court“ verriet. Der heutige Markenbotschafter hatte ihn demnach 2011 ins Spiel gebracht. Ein Moment, für den er bis heute dankbar ist: „Es hat viele erfahrenere und bessere Manager gegeben, aber ich habe diese Chance bekommen.“

Und er wurde zu einem der einflussreichsten Funktionäre im Basketball-Land. Zu einem Mann, der seine Stimme vielleicht nicht mehr oft erhebt. Aber wenn er es tut, dann umso deutlicher. Aktuell sind es vor allem die Entwicklungen im Nachwuchsbereich. Die vielen Talente aus ganz Europa, die ohne Wechselmodalitäten dem Ruf des Geldes aus dem amerikanischen Collegesystem folgen. So wie Bayern-Juwel Ivan Kharchenkov, der im Sommer wohl in Arizona anheuert.

„Was wir erleben, ist eine Attacke der NCAA auf den europäischen Basketball. Diese Entwicklung ist katastrophal“, sagte Pesic, „die Fiba (Weltverband, d. Red.) muss hier eine Regelung finden. Andernfalls stellt sich die Frage, ob Jugendarbeit in europäischen Vereinen noch Sinn macht.“ Ex-Euroleague-Chef Jordi Bertomeu hatte sich zuletzt in unserer Zeitung ähnlich geäußert. Der Spanier berichtete, dass Real Madrid sogar offen über die Abschaffung seiner Jugendabteilung nachdenke.

Worte, die doppelt pikant erscheinen vor dem Hintergrund der NBA-Avancen in Richtung Europa. Die nordamerikanische Profiliga denkt bekanntlich über die Schaffung eines Europa-Ablegers rund um die sportlichen Großmarken wie Real, FC Barcelona oder eben FC Bayern nach. Welche Zukunft er der Idee gibt, dazu äußerte sich Pesic vielsagend zurückhaltend: „Fragt mich am ersten Januar danach.“ Dann scheidet er bekanntlich endgültig als Geschäftsführer aus. Und heute? „Sehe ich die Zukunft bei der Euroleague.“ In der er übrigens auch weiterhin den Münchner Sprung ins Final-4 nur für eine Frage der Zeit hält.

Daran ändern auch die finanziellen Verhältnisse nichts. Dass man mit Clubs konkurriert, die von teilweise milliardenschweren Mäzenen alimentiert werden. Und das wird noch heftiger, wenn die Liga nun auf 20 Teams aufgestockt wird. Denn mit dem BC Dubai und Hapoel Tel Aviv rüsten sich bereits zwei weitere Clubs mit großen Gönnern für die Königsklasse. Die Bayern halten eher klassisch dagegen: „Wir können heute schon sagen, dass der FC Bayern der Verein ist, der europaweit am meisten Geld auf dem Markt generiert“, sagte Pesic. Was sich sportlich ja auch schon auszahlte. Zweimal (2021 und 2022) kratzten die Münchner knapp am Erreichen des Finalturniers.

Und das dürfe sich auch in der Zukunft nicht ändern, erklärte der Langzeitfunktionär, der übrigens auch nach dem Ende seines Engagements in München bleiben wird. „Bayern“, betonte er, „muss seiner Identität auf Dauer treu bleiben.“ PATRICK REICHELT

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