Der Klebstoff für das Finale

von Redaktion

Nicht zuletzt auch dank Niels Giffey greift Bayern erneut nach dem BBL-Titel

Ab ins Endspiel: Ab Sonntag beginnt für Niels Giffey (ganz links) und die Bayern-Basketballer der letzte Teil der Mission Titelverteidigung. © IMAGO

Heidelberg – Als dieses Spiel und damit die Halbfinal-Serie doch endlich in den Büchern war, galten die ersten Gedanken von Niels Giffey dem Gegner. Nicht irgendeinem, klar, Paul Zipser hatte es dem Weltmeister im Trikot der Basketballer des FC Bayern angetan.

Der 31-Jährige hatte mit seinem bärenstarken Auftritt maßgeblich dazu beigetragen, dass die Münchner für dieses 94:82 nach Verlängerung und damit den Einzug in die Finalserie der BBL bei den Academics Heidelberg leiden mussten, wie noch nie im Rahmen dieser Playoffs. Seit Wochen zeigt sich, dass Zipser die Folgen seiner Hirnoperation von 2021 endgültig abgeschüttelt hat. „Ihn so spielen zu sehen“, fand Giffey, „das ist echt beeindruckend.“

Dabei trug Giffey selbst maßgeblich dazu bei, dass Zipsers Taten am Ende nicht viel mehr als eine Randgeschichte blieben. Der gebürtige Berliner war einer der Münchner, die nach dem fürchterlichen 11:28-Start zur Aufholjagd bliesen. Schuftete in der Defensive, setzte Dreier, wo bis dahin auf Bayern-Seite so gar nichts fallen wollte. Es sind Abende wie dieser, in denen am deutlichsten wird, warum Trainer Gordon Herbert nicht müde wird, den vielseitigen Routinier als eine der Schlüsselfiguren seines Kaders zu bezeichnen.

Aber es passt auch zu seiner Geschichte, dass Giffey foulbedingt gar nicht mehr dabei war, als Andi Obst und Shabazz Napier (beide 19 Punkte) in der Verlängerung den Sieg kühl eintüteten. Der 34-Jährige, der bei den Bayern noch einen Vertrag bis 2027 besitzt, steht selten im Rampenlicht. Er ist kein Künstler, eher ein stiller Arbeiter – aber eben das, was die Trainer so gerne als „Klebstoff“ des Teams bezeichnen. Wohl gerade deshalb gibt es viele, die sagen, dass die Bayern in den Finals ab Sonntag (18 Uhr) gegen Ulm oder Würzburg ein Ausfall von Giffey härter treffen würde als das zu erwartende Fehlen von Euroleague-Topscorer Carsen Edwards.

Wobei es für die Bayern vielleicht auch gar nicht so schlecht war, dass dieses vierte Halbfinale noch einmal zu einem derartigen Krimi ausgeartet war. Es war ein deutlicher Hinweis, dass es auch für den illustren Münchner Kader kritisch werden kann, wenn man sich in Intensität und Energielevel nicht auf Playoff-Niveau bewegt. In Heidelberg klappte es schließlich, weil man schon in der ersten Halbzeit die Kurve bekam. Und sich am Ende so steigerte, dass sich sogar Trainer Herbert vor seinem Team verneigte: „Das Energielevel, dass wir hier erreicht haben, war gigantisch.“

Klar ist allerdings auch: egal ob man nun gegen den Hauptrunden-Zweiten aus Ulm ran muss oder doch gegen Außenseiter Würzburg – gegen beide Teams dürfte es weitaus schwerer fallen, einen Fehlstart wie in Heidelberg wettzumachen. Shabazz Napier sah das so: „Solche Spiele helfen uns in den Playoffs.“ Der Bayern-Regisseur ahnte, woran man in der kleinen Spielpause bis zur Titelentscheidung zu arbeiten haben wird. „Wir müssen vor allem in der Defensive im Finale zulegen.“

Niels Giffey war das vorerst noch egal: „Ich freue mich vor allem, dass wir mehr Zeit zur Regeneration haben.“PATRICK REICHELT

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