Autor Mathias Müller mit Trainer Raphael Keller. © Schmidt
München/Roth – Noch gut vier Wochen bis zum Ironman in Roth. Dann stürzen sich rund 3500 Einzelstarter und 650 Staffeln im bayerischen Triathlon-Mekka ins Langdistanz-Abenteuer. Darunter auch Autor Mathias Müller (38). Kurz vor dem Ziel stellt er sich der Kritik von Formkurve-Trainer Raphael Keller, der ihn in den vergangenen sieben Monaten vorbereitet hat. Außerdem erklärt der Fachmann, ob auch Spontanstarts bei kleineren Triathlons möglich sind.
Wie zufrieden ist der Trainer mit seinem Schützling?
Mit Blick auf die Umstände und vielen Wehwehchen, die aufgetaucht sind, haben wir das Beste herausgeholt. Das Feuer war da und ich bin überrascht, wie schnell sich dein Körper doch immer wieder erholt.
Kann noch was schiefgehen?
Vornweg: Du schaffst es. Nur bin ich nicht sicher, ob das mit den anvisierten elf Stunden klappt. Da muss alles passen – bei dir und auch beim Wetter. Letztlich sollte man als Athlet im Ziel zufrieden sagen können: Ich habe mein Bestes abgerufen – mehr war an dem Tag nicht drin.
Wer vier Wochen vor einer Langdistanz steht, was ist im Training noch drin?
Torschlusspanik ist verboten. Gerade in den letzten zwei Wochen sollte man zu lange Einheiten über vier Stunden vermeiden. Wichtig ist, sein geplantes Wettkampftempo und die Verpflegung zu festigen.
Was, wenn man krank wird?
Dann hilft nur auskurieren und die nötige Pause zu machen. Wenn nur noch wenig bis keine Symptome da sind, kann man seine Form wieder aufbauen.
Bringt es noch etwas, im Schlussspurt dem Alkohol zu entsagen?
Ja. Das verbessert den Schlaf und das Wohlbefinden. Auch gesunde Ernährung macht in den Wochen davor noch Sinn. Der Körper nimmt den Vitaminschub dankend auf.
Gelten für die Mitteldistanz (1,8 km Schwimmen, 90 km Rad, Halbmarathon) ähnliche Regeln?
Ja. Auch hier sollte man zwei Wochen vorher ein paar kurze Akzente setzen, um die Muskelspannung zu halten, aber eben keine super harten Einheiten, die große Regenerationsprozesse auslösen.
Wenn ein sportlicher Mensch kurzfristig einen Triathlon machen will. Geht das?
Schnupper- und Volksdistanzen sind jederzeit drin. Bei der olympischen Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Lauf) sollte man sich zumindest ein bisschen vorbereiten und die Teilbereiche antesten, weil das im Normalfall mindestens zwei Stunden Belastung bedeutet.
Triathlon entwickelt sich immer mehr zur Materialschlacht. Welches Rad brauche ich für meinen Erstversuch?
Da geht eigentlich jedes. Auf den kurzen Distanzen sieht man auch immer wieder Mountain- oder Trekkingbikes.
Wer es ernster nimmt, braucht der zumindest ein Rennrad mit Auflieger?
Das macht Sinn. Man gewinnt aerodynamischen Vorteile, ohne gleich riesige Summen auszugeben.
Ich starte ohne spezielles Zeitfahrrad. Das wird schäbig wirken zwischen den 10 000-Euro-Maschinen.
Muss es nicht. Wichtiger als der Rahmen oder die Komponenten ist, dass du möglichst lange und bequem die ganze Distanz in Aeroposition fahren kannst. Ein gekrümmter Rücken kann sich zudem negativ beim Laufen auswirken. Im Übrigen: Auch die Profis fahren nicht mehr so überhöht als noch vor 15 oder 20 Jahren.
Mit meiner angestrebten Zeit unter elf Stunden bin ich weit weg von der Weltrekordzeit von Magnus Ditlev (7:23:24 Stunden). Früher waren die acht Stunden die magische Marke. Gibt es eine Grenze in der Entwicklung?
Ich denke, es wird noch ein paar neue Bestmarken geben. Aber ich glaube, das wird sich im Sekunden- oder Minutenbereich abspielen.
Auch Weltmeisterin Laura Philipp (Bestzeit: 8:03:13) ist in Roth am Start. Natürlich nicht meine Kragenweite, aber Fußball-Weltmeister Andre Schürrle und Ex-Radprofi Rick Zabel habe ich im Blick.
Bloß nicht überpacen! Aber im Ernst, dass bekannte Sportpersönlichkeiten mitmachen, ist super für den Triathlonsport. Wenn solche Stars neben dir laufen, sind sie plötzlich ziemlich nahbar. Und: Andre Schürrle hat in den vergangenen Wochen einen ganz guten Einblick gegeben, wie herausfordernd so ein Projekt sein kann.
INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER