Glanznoten verdiente sich Kingsley Coman. © IMAGO
Voll im Saft: Müller auf seiner Abschiedstournee. © IMAGO
Siegerjubel in Cincinnati: Die Bayern vor der Kurve des eher spärlich gefüllten Stadions. Das Ergebnis allerdings gab Anlass für Optimismus. © IMAGO
Cincinnati – Die Statistiken waren eindeutig: Noch nie in der Historie der Club-WM, auch nicht im alten Format, hat eine Mannschaft so hoch gewonnen wie der FC Bayern am Sonntag: 10:0 lautete das Ergebnis im Auftaktspiel gegen Auckland City, das eher einem lockeren Trainingskick als einem Härtetest zum Turnierstart glich.
Hier liegt aber auch die Krux, die die Bewertung der eigenen Form schwierig macht: Eben weil das neuseeländische Team bestenfalls Regionalligaformat hatte, ist noch unklar, wie stark die Bayern zu Turnierbeginn sind. Während Champions-League-Sieger und Topfavorit Paris Saint-Germain am Sonntag mit Atletico Madrid gleich das erste Spitzenteam mit 4:0 besiegte, müssen die Münchner vorsichtig sein, sich vom eigenen Torfestival nicht zu sehr berauschen zu lassen.
Trotzdem sollte man die zweifellos starke Leistung auch nicht für selbstverständlich nehmen, was auch die Reaktionen der Bayern zeigten: „Für uns war es das erste Gruppenspiel, das wir 10:0 gewonnen haben. Das zeigte unsere große Motivation“, sagte Aleksandar Pavlovic nach der Partie. „Wir haben so gespielt, wie wir gegen jeden Gegner spielen wollen.“
Das bedeutete: aggressiv nach vorne pressen, das Spiel im eigenen Ballbesitz auf die Flügel lenken, in Eins-gegen-Eins-Duelle gehen und Abschlüsse suchen. Das gelang mit zehn eigenen Treffern nahe an der Perfektion – vor allem aber bewies der Rekordmeister eine große Gier: „Wir pushen uns gegenseitig, nach jedem Tor weiterzumachen. Das hat uns auch der Trainer gesagt, dass wir immer nachlegen sollen.“ Und weiter: „Es ging darum, das Spieltempo hochzuhalten, auch wenn wir führen – und genau das haben wir gemacht.“
Max Eberl wurde noch deutlicher. „Nein!“, antwortete der Sportvorstand auf die Frage, ob es nach diesem Sieg irgendwas zu kritisieren gäbe. In welcher Verfassung der FC Bayern nun vor den anspruchsvolleren Gruppenduellen mit den Boca Juniors am Samstag (3 Uhr morgens deutscher Zeit, DAZN und SAT.1) und Benfica Lissabon ist, konnte er aber auch noch nicht beantworten: „Wir haben eindrucksvoll gewonnen. Aber natürlich war das kein Gegner, wo man danach sagen kann: ‚Wir wissen, wo wir stehen.‘ Das haben wir aber auch nicht erwartet.“
Vincent Kompany ergänzte: „Wenn ein Gegner tief steht und gut verteidigt, ist es nicht selbstverständlich, dass man zehn Tore schießt“, so der Coach. Dafür brauche es aber kein großes Lob – sondern „einfach: Job done“. Auf deutsch: Auftrag erledigt.
Zweifellos positiv war neben dem Torfestival auch die Rückkehr der Langzeitverletzten: Dayot Upamecano und Jamal Musiala feierten ihr Comeback auf dem Platz, zuletzt formschwache Spieler wie Sacha Boey oder Kingsley Coman spielten besonders stark auf. Einziger Wermutstropfen: Harry Kane, der erst zwei Tage vor dem Spiel zusammen mit Konrad Laimer zum Team in Orlando stieß, ging im Offensivspektakel etwas unter.
Für die Bayern war das an diesem Nachmittag freilich verschmerzbar, Kane verpasste allerdings die Chance, sich im Rennen um den Torschützenkönig-Trophäe des Turniers direkt einen Vorsprung zu erschießen. Das dürfte ab jetzt schwerer werden.VINZENT TSCHIRPKE