Ratlos: Gordon Herbert fand kein Mittel. © IMAGO
Gut gebrüllt: Santos nach dem Block gegen White. © IMAGO
Supertalent mit Reichweite: Ulms Noa Essengue hatte allerdings eher wenig Lichtblicke… © IMAGO
Bayerns bestes Argument: Vladimir Lucic (li.) war mit 17 Punkten und 6 Rebounds der stärkste Münchner. © IMAGO
München – Im Schlussviertel war dem FC Bayern das Spiel auch emotional entglitten. Ulms Ex-Bayer Karim Jallow flog von Dunking zu Dunking. Marcio Santos baute sich wie ein Gladiator vor der Fangemeinde auf, nachdem er den Münchner Jack White mit einem Block heftig abgeräumt hatte. Und nicht zuletzt Whites Kollege Justus Hollatz ahnte, als das 64:79 in der Ulmer Arena amtlich war, dass dem Titelverteidiger genau wegen dieser Dinge die Vorteile in der BBL-Finalserie abhanden gekommen waren. „Heute hat uns die Mentalität das Spiel gekostet“, sagte er verkniffen, „ich glaube, Ulm wollte es mehr.“
Seinen Trainer Gordon Herbert dürfte das ein bisschen nachdenklich stimmen. Denn es ist in dieser Saison ja längst kein Geheimnis mehr, dass Ulm gerade zu Hause Hochenergie-Basketball pflegt. Doch nach ordentlicher erster Halbzeit ließen sich Herberts fehlerhafte Bayern das Heft völlig aus der Hand nehmen. Dass Leistungsträger wie der diesmal indisponierte Nick Weiler-Babb oder Shabazz Napier früh in Foulprobleme gerieten, machte die Sache nicht einfacher.
Womit nun auch klar ist, dass die Finalserie tatsächlich in die nächste Woche geht. Spiel vier steigt am Dienstag (20 Uhr) wieder in Ulm. Genau diese Möglichkeit hatten die Verantwortlichen des Champions von 2023 ja wegen der Kollision mit der NBA Draft-Lotterie vor Spiel eins zum Politikum gemacht. Am Mittwoch vermeldete Ulm nun, die BBL habe in ihrem vorangegangenen Statement Unwahrheiten verbreitet, näher äußern werde man sich während der Serie aber nicht. BBL-Chef Stefan Holz nahm das mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis. „Uns sind da einfach die Hände gebunden“, sagte er, „was ist, wenn im nächsten Jahr ein wichtiger Spieler einen Todesfall in der Familie hat – ist das dann kein wichtiger Grund?“
Wie auch immer, fürs Erste ist die Debatte wohl vom Tisch. Bei den Bayern ohnehin. Der schwer irritierte Favorit wird bis zum nächsten Treffen am Samstag (20 Uhr) im SAP Garden darüber grübeln, wie man der Ulmer Dynamik besser entgegentreten kann als am Mittwoch. So mancher spekulierte schon, ob die Münchner in dem Schlüsselspiel, nach dem eine der beiden Seiten den ersten Matchball haben wird, vielleicht doch noch einmal auf ihren Topscorer Carsen Edwards zurückgreifen. Tendenz: unwahrscheinlich, dem Vernehmen nach hat der US-Boy, der vor dem Wechsel nach Paris stehen soll, mit dem Kapitel München abgeschlossen.
Hollatz indes sagt: „Wir müssen Spiel zwei abhaken und es am Samstag besser machen.“ Klingt einfach. P. REICHELT