Die Entdeckung der EM: Die erst 21-jährige Frieda Bühner entwickelte sich zur Führungsspielerin. © IMAGO/KARAKALOS
Leonie Fiebich hatte gegen Belgien offensiv große Probleme. © IMAGO/Wiedensohler
Piräus – Basketball-Nationalspielerin Leonie Fiebich hat sich nach dem bitteren EM-Aus kämpferisch mit Blick auf die Zukunft gegeben. „Es ist natürlich ein bisschen enttäuschend, hier rauszufallen. Doch wir haben trotzdem noch viel vor. Unser Hunger, ganz oben mitzuspielen, ist jetzt nicht erloschen nur wegen diesem Spiel“, sagte die WNBA-Spielerin der ARD-Sportschau nach dem 59:83 (36:41) im Viertelfinale gegen Goldfavorit Belgien am Mittwoch in Piräus.
Das Turnier ist für die DBB-Frauen aber noch nicht beendet – und das ist gleich aus mehreren Gründen etwas Positives. „Vor zwei Jahren sind wir bei der EM Sechster geworden, das wollen wir toppen“, sagte Emily Bessoir nach der Viertelfinal-Niederlage trotzig. „Platz fünf ist jetzt auf jeden Fall das Ziel“, rief auch Routinier Romy Bär aus. Dafür müssen zwei Siege her und im Vergleich zum Belgien-Spiel eine deutliche Leistungssteigerung. Zunächst steht am Freitag das kleine Halbfinale gegen die Türkei an (13.30 Uhr/MagentaSport), je nach Ausgang spielt die deutsche Auswahl am Sonntag gegen Litauen oder Tschechien um Platz fünf oder sieben.
Sportlich sind diese Spiele vielleicht nicht die wichtigsten, mittelfristig könnten sie allerdings von großer Bedeutung sein. Denn nach den Absagen der Sabally-Schwestern sowie den bitteren Verletzungen in der Vorbereitung von Marie Gülich und Alina Hartmann haperte es bei der EM oft an der Breite des Kaders. Vor allem die erst 17-jährige Clara Bielefeld, die als riesiges Talent gilt, sah bei ihrer Turnier-Premiere auf Frauen-Ebene nur wenige Minuten. Das änderte sich bereits gegen Belgien, als sie über zehn Minuten auf dem Parkett stand, das Spiel nach gut drei Vierteln aber entschieden war.
Die Platzierungsspiele geben Coach Lisa Thomaidis nun die Gelegenheit, auch ihre jungen Talente zu entwickeln. Neben Bielefeld wäre hier auch Hilke Feldrappe (21) zu nennen. Hinsichtlich der Heim-WM in Berlin im kommenden Jahr könnte eine längere Bank, um den Star-Spielerinnen mal eine Pause zu geben, der nächste Schritt sein, sich weltweit im Kreis der Topteams zu etablieren. Den Sprung vom Talent zur Leistungsträgerin schaffte bei der Eurobasket mit Vorrunde in Hamburg Frieda Bühner eindrucksvoll. 15,5 Punkte, 5,8 Rebounds und 1,8 Steals pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Dazu bringt sie eine Abgezocktheit und eine Unbekümmertheit mit, die für ihre jungen 21 Jahren Seltenwert hat.
Fiebich sieht in den verbleibenden Spielen indessen die Möglichkeit, an den Schwächen, die das Team gegen Belgien offenbart hatte, zu arbeiten. Einerseits hatte Deutschland Belgiens Ausnahmekönnerin Emma Meesseman (30 Punkte) nicht unter Kontrolle bekommen, andererseits selbst in der Offensive zu wenig Gefahr ausgestrahlt.
„An erste Stelle steht: Besser werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Und an zweiter Stelle steht: Spaß haben“, sagte WNBA-Champion Fiebich. Mit Blick auf die Entwicklung des Teams sagte die 25-Jährige, die gegen Belgien mit acht Punkten blass geblieben war: „Wir müssen weiter an uns arbeiten, Lösungen finden und das Zusammenspiel muss einfach besser werden.“AVO, SID