Hat einen Lauf: Nicolai von Dellingshausen. © IMAGO/Di Maria
Eichenried – Der „European Swing“ geht am kommenden Sonntag in München zu Ende. Das ist eine Folge von Profi-Golfturnieren, die eine Serie in der Serie mitten in der Saison darstellen im großen Paket der DP World Tour (früher European Tour). Ein bisschen Extra-Preisgeld gibt es da noch für die Besten der sechs Wettbewerbe in sechs Nationen. Türkei, Belgien, Österreich, Niederlande und Italien waren die Stationen. Nun steht das Finale in Eichenried bei den traditionsreichen BMW International Open (2. bis 6. Juli) an, die heuer zum 36. Mal ausgerichtet werden. Da geht es an sich bereits um einen Siegerscheck von mehr als 400 000 Euro, der Sieger der Serie aber erhält ebenso knapp 200 000 Euro ausbezahlt. Ein netter Anreiz, überall dabei zu sein und – vor allem – überall gut zu spielen.
Ein Deutscher taucht in dieser Wertung gerade weit vorne auf: Nicolai von Dellingshausen. Er ist so etwas wie der Senkrechtstarter dieser Saison. Auf Platz drei rangiert er, gewann vor vier Wochen beim Fast-Heimspiel auf Gut Altentann bei Salzburg. Der Düsseldorfer steht selbstredend auch in München am Start, ist er neben dem Franzosen Martin Couvra und dem Norweger Kristoffer Reitan doch einer der Aussichtsreichsten im Kampf um den Zusatz-Scheck. Er führt eine Flotte von zwölf deutschen Profis und zwei Amateuren an, die danach trachten, nach Martin Kaymers Triumph 2008 einen zweiten deutschen Sieger beim mittlerweile einzig verbliebenden Profiturnier in der Heimat zu stellen. Von Dellingshausen ist ein Lichtblick, spielt in der Form seines Lebens. Platz fünf bringt der 32-Jährige als Visitenkarte aus der Toskana direkt mit nach München. Sein Auftritt im Salzburger Land war definitiv keine Eintagsfliege. Aber auch Marcel Schneider (Pleidelsheim) und Maximilian Kieffer spielten zuletzt konstant gut.
Hoffnung regiert. Doch ist das Feld, auf das die Lokalmatadore in Eichenried treffen, ein stattliches. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht für manchen Golfer nicht so wirkt. Der Profizirkus hat sich verändert. „Ich glaube, wir haben uns in den vergangenen zehn oder 20 Jahren einfach an viele Namen gewöhnt“, sagt Tim Holzmüller, der Pressesprecher des Turniers. Und die sind jetzt nicht mehr da. Weil sie vielleicht zu alt sind, sich zu den Champions (über 50) verabschiedet haben, oder einfach abgelöst sind von den jungen Profis, die nur so aus dem Boden schießen. „Da kommen so viele talentierte Junge nach, die man noch nicht so breit aus den Medien kennt.“ Deren Name sind eben noch kein Begriff sind wie die Langers, Faldos, Montgomeries, Jimenez, Els und Co., die München früher ihre Aufwartung machten und Glanz versprühten. Das Golf ist sicher nicht schlechter geworden. Ganz im Gegenteil. Sie heißen jetzt Couvra, Reitan, Laurie Canter, John Parry oder Haotong Li (Sieger der BMW Open 2023).
Namen, die neu sind. Namen aber, die für außergewöhnliches Golf stehen. Nach Jahren, in denen die ehemalige European Tour am Krückstock ging, die Stars reihenweise dem großen Geld in die USA folgten, hat ein Deal das Bild wieder zurechtgerückt. „Die DP World Tour zeichnet sich jetzt dadurch aus, dass die besten zehn Spieler am Jahresende eine Karte für die unheimlich hoch dotierte US Tour erhalten“, erklärt Turnierdirektor Marco Kaussler. Eine andere Welt – immer noch. Eine aber, in die es jetzt einen Zugang gibt. Wenn man eben auch in Eichenried dabei ist und eifrig Euros sammelt. So kommt es am Ende, dass aktuell ab Donnerstag im Münchner Nordosten 25 der 30 besten Golfer der Europa-Tour dabei sind. „Das ist wirklich außergewöhnlich“, urteilt Holzmüller.
Dazu kommen als Appetithappen noch fünf Spieler von der LIV-Tour der Saudi-Ölscheichs. Darunter als große Namen neben dem Rheinländer Kaymer die beiden Ex-Masters-Champions Patrick Reed (USA) und Sergio Garcia (Spanien). Sie sind auf ihrem eigenen Europa-Swing unterwegs, reisen von München anschließend weiter in den Süden Spaniens. Derlei Deals einzufädeln, ist wiederum Kausslers Aufgabe. Er grinst: „Der Kalender macht‘s möglich. Da schauen wir schon drauf.“ So ein bisschen Flair der großen Golfwelt versprühen die BMW Open schon auch.CHRISTIAN FELLNER