TOUR DE FRANCE

Lipowitz spürt den Druck

von Redaktion

Deutsche Hoffnung freut sich – auf den Trubel aber könnte er verzichten

Florian Lipowitz steht vor seinem Debüt bei der Tour de France. © Roth/dpa

Lille – Florian Lipowitz geht es vorrangig nicht um Ruhm. Dem zurückhaltenden Senkrechtstarter des deutschen Radsports ist der Trubel um seine Person fast sogar etwas unangenehm. „Ich bin froh, wenn ich ganz normal mein Leben leben kann, ohne groß in der Öffentlichkeit zu stehen“, sagt der 24 Jahre alte Rad-Quereinsteiger. Doch dem zunehmenden Wirbel um seine Person kann sich der stille Schwabe, der in Tirol lebt, kaum entziehen. Bei der am Samstag beginnenden 112. Tour de France feiert er sein Debüt. „Es herrscht noch mal besonders viel Druck, aber natürlich freue ich mich wahnsinnig darauf“, schwärmt er.

Im vergangenen Jahr beeindruckte Lipowitz mit dem siebten Gesamtrang bei der Vuelta. Bei Paris-Nizza wurde er Zweiter, im Baskenland Vierter. Der Höhepunkt folgte, als er mit den Superstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard bei der Dauphiné-Rundfahrt beeindruckend gut mithielt und später den dritten Rang hinter den Tour-Siegern der letzten Jahre feierte. „Ich wusste, dass ich gut in Form bin. Aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich hier so weit vorne mitfahren kann“, sagte er später. Auch die Stars zollten Respekt. Pogacar und Vingegaard lobten Lipowitz.

Die deutsche Radsportwelt sehnt sich nach einem Rundfahrer, der als erster Profi seit Andreas Klöden 2006 mal wieder das Podium bei einer Grand Tour erreicht. Bei der Tour setzt sein Team Red Bull-Bora-hansgrohe auf eine Doppelspitze: Lipowitz an der Seite des slowenischen Routiniers Primoz Roglic. „Wir haben einen Florian Lipowitz, der mit den Besten der Welt mitfahren kann“, sagte Sportchef Rolf Aldag. Er kratze nicht an der Weltspitze, sondern sei in der Weltspitze angekommen. Zurückhaltung sieht anders aus. Teamchef Ralph Denk nennt ihn sein „Herzensprojekt“: „Wir sehen so viel Gutes in dem Jungen, dass wir da wirklich ganz behutsam vorangehen wollen.“DPA

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