„Sie ist eiskalt vor dem Tor“

von Redaktion

Jule Brand warnt vor Ex-Teamkollegin und Polens Stürmerstar Ewa Pajor

Jule Brand ist die Kreative im Team. © IMAGO/Wunderl

Zürich – Ewa Pajor hat in Polen einen ähnlichen Stellenwert wie Robert Lewandowski, bei dieser EM bestreitet sie als eine der weltbesten Torjägerinnen erstmals ein großes Turnier und trifft dabei am Freitag (21.00 Uhr/ARD und DAZN) auf die deutsche Nationalmannschaft. Wie man sie stoppt? Ihre Ex-Teamkollegin Jule Brand weiß Rat: „Ewa mag es nicht, wenn man ganz nah an ihr oder eklig ist.“

Mit der polnischen Topstürmerin vom FC Barcelona hatte Brand zusammen beim VfL Wolfsburg gespielt, in neun Bundesliga-Jahren wurde Pajor zweimal Torschützenkönigin. „Sie ist sehr schwer in den Griff zu bekommen, sie ist sehr wuselig, sehr schnell, sehr gefährlich und eiskalt vor dem Tor“, warnte Brand und fügte an: „Ich habe nicht gerne gegen sie gespielt.“

Brand selbst wechselt nach der EM zu Olympique Lyon. Sie sieht sich in der Pflicht, bei ihrem vierten Turnier einen Reifeprozess bezeugen. Die Nummer 22 ist nicht mehr das Küken: „Ich bin ein bisschen erwachsener geworden, habe ein anderes Mindset.“ Doch auch nach 60 Länderspielen schwankt sie bisweilen noch zwischen Genie und Wahnsinn – nur nicht mehr so extrem wie früher. Sie weiß, dass sie im EM-Finale 2022 gegen England (1:2 n.V.) die Bälle verstolperte: „Ich war noch nie so nervös. Ich hätte mir gewünscht, ich hätte das mehr genießen können.“ Oder sich bei der WM 2023 gegen Kolumbien (1:2) und Südkorea (1:1) in sinnfreien Solos verrannte. „Ich wollte mit dem Kopf durch die Wand.“

Die 2022 zur besten U21-Spielerin ausgezeichnete Brand hat über die Höhen und Tiefen ihrer Karriere viel nachgedacht. Herausgekommen ist für die EM diese Losung: „Je weniger wir im Kopf haben, desto besser performen wir.“ Für Bundestrainerin Christian Wück kann die Flügelzange mit Klara Bühl und Brand den Unterschied machen, doch gerade Brand bedürfe einer besonderen Behandlung: „Wenn wir Jule zu eng in ein Netz spannen würden – dann würden wir ja komplett ihre Stärke rauben.“

Ihr Talent ist unbestritten. Monatelange buhlten mehrere Topvereine um ihre Dienste. Letztlich erhielt der Champions-League-Rekordsieger Olympique Lyon den Zuschlag. Sie wolle raus aus der Komfortzone, sagte Brand zu ihrem Wechsel. „Ich kenne keinen dort, ich habe sehr viel Respekt davor. Aber ich weiß einfach, dass ich das brauche.“ In der ARD-Doku beteuerte sie: „Ich will eine der besten Spielerinnen der Welt werden.“ Dafür wird sie Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen brauchen.FRANK HELLMANN

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