Wie heiß wird es dieses Mal?

von Redaktion

München – Was für einen Auftritt wird es diesmal geben – von Noch-Präsident Robert Reisinger, vom künftigen Frontmann Gernot Mang und von der anwesenden 1860-Basis? Wie üblich beginnt die Mitgliederversammlung um 10 Uhr im Zenith. Wie immer wittern Foodtrucks und Eisverkäufer das Geschäft ihres Lebens. Vielleicht bleibt das große Spektakel diesmal aber aus – und alle Tagesordnungspunkte werden ohne Streit abgearbeitet. Okay, die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn dann wären es nicht die Löwen… Trotzdem: Aktuell scheint die sportliche Euphorie tatsächlich den politischen Selbstzerfleischungstrieb zu überdecken.

Wie heiß wird es diesmal? Wenig Sonne, vereinzelt leichter Regen – die Wettervorhersage meint es gut mit den Mitgliedern. Halle oder Freibad? Sonst ein echter Gewissenskonflikt für sonnenhungrige Löwen. Diesmal könnte das Wetter zugunsten der finsteren Zenith-Halle entscheiden. Trotzdem rechnet der e.V. nur mit 500 bis 700 Mitgliedern – im Vorjahr waren es mehr als 2500. Der Grund liegt auf der Hand: Die große Brisanz wie 2024 fehlt. Damals hatten Hasan Ismaik und das „Bündnis Zukunft 1860“ wochenlang Wahlkampf betrieben, um eine investorenfreundlichere Politik durchzusetzen. Am Ende blieb die Kontrolle mit einem klaren 9:0-Sieg im Verwaltungsrat beim e.V. Ismaik selbst hat bislang nicht angedeutet, dieses Jahr persönlich erscheinen zu wollen.

Was steht inhaltlich im Mittelpunkt? Die diesjährige Versammlung steht ganz im Zeichen des Präsidiumsumbaus. Robert Reisinger, acht Jahre im Amt, wurde vom Verwaltungsrat nicht erneut nominiert – ein Bruch nach internen Spannungen. Der Vorwurf: Reisinger habe sich zu wenig am Mitgliedervotum orientiert (Stichwort: eigenständiger e.V.).

Zum Nachfolger auserkoren: Gernot Mang, ein bisher öffentlich kaum bekannter 1860-Fan und Möbelunternehmer. Bei Reisingers Rechenschaftsbericht (TOP 8a) wird die Halle genau hinhören – später (TOP 11) dürften viele dann für Mang stimmen, den einzigen Kandidaten. Dass die Wahl reibungslos verläuft, gilt als wahrscheinlich. Ein langjähriger Löwe aus dem e.V.-Lager spöttelt: „Für die Opposition ist es eine blöde Situation. Sich acht Jahre am Reisinger abarbeiten – und ihn dann im Amt halten, indem man Mang durchfallen lässt? Auf so eine Idee kommt vermutlich nicht mal der größte e.V.-Hater.“

Welche Rolle spielt das neue Finanzloch? Im Darlehensvertrag, den Reisinger im Herbst mitunterzeichnet hat (zum Unmut des Verwaltungsrats), waren neun Millionen Euro eingeplant, um die kommenden zwei Jahre finanziell zu überstehen. Wie berichtet wird das Geld nun aber – nach einem einseitigen Beschluss des Aufsichtsrats – schneller aufgebraucht sein. Schon im Herbst, so die Süddeutsche Zeitung, könnten fünf Millionen Euro fehlen, um die Fortführungsprognose bis 2028 abzusichern. Kritische Nachfragen an Reisinger sind also zu erwarten – vorgesehen dafür ist Tagesordnungspunkt 9: „Aussprache zu den Berichten“.

Wird es wieder Mitternacht? Vergangenes Jahr dauerte es bis 23.15 Uhr, bis die letzten Stimmen ausgezählt waren – ein Marathon selbst für 1860-Verhältnisse. Diesmal wird mit einer kürzeren Versammlung gerechnet. Optimisten hoffen auf ein Ende gegen 18 Uhr. Pessimisten rechnen zwar auch nicht mit einem neuen Rekord, erinnern aber daran, dass die Halle am Montag bis 11 Uhr geräumt sein muss – damit das Zenith am Abend wieder zur Konzertbühne wird.ULI KELLNER

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