Als die Menschen aus dem St. Jakob-Park von Basel strömten, war niemand mehr nach Party zumute. Nicht mal Flüche waren in dieser schwülwarmen Nacht noch zu vernehmen, weil ja auch der Abtransport aus dem größten Stadion der Schweiz mit den parat stehenden Bussen, Bahnen und Zügen reibungslos klappte. Das größte Sportereignis in der Geschichte des Landes hatte sogar die Schweizer Bundesbahn zu unterstützenden Durchsagen animiert. Geholfen hat das alles nicht: Das offizielle EM-Eröffnungsspiel der Frauen-„Nati“ gegen Norwegen (1:2) geriet zum Stimmungsdämpfer.
Das noch beim Fanmarsch vom Münsterplatz gebrüllte „Hopp Schwyz“ ebbte bereits bei der Ehrenrunde ab. Alles in allem fühlte sich der Fußballabend vor mehr als 34 000 Fans im Joggeli am Ende so an, als habe jemand ein Basler Läckerli mit Salz bestreut. Zuckersüß kam nicht mal mehr Alisha Lehmann rüber. Minutenlang strich sich die als Fußballerin getarnte Influencerin in der Nachspielzeit am Seitenrand durch die blonden Haarspitzen, nachdem die 26-Jährige wusste, dass ihre aktive Hilfe nicht mehr gefragt sein würde.
Ansonsten ist wohl eher Nationaltrainerin Pia Sundhage als Aufbauhelferin gefragt. Die 65-Jährige steht nun für das zweite Spiel gegen Island in Bern am Sonntag unter Druck. Ein Vorrunden-Aus würde auch ihrer Reputation schaden. Bei den letzten Europameisterschaften hatten die Gastgeber Niederlande (2017) und England (2022) hart erkämpfte Auftaktsiege errungen. Beide Male schaffte es die listige Fußballlehrerin Sarina Wiegman, die losgetretene Welle der Euphorie bis zum Endspielsieg zu reiten. Auch die Schweiz will über ein Weiterkommen einen landesweiten Schub für den Frauenfußball auslösen.
Weder Inka Grings noch Nachfolgerin Sundhage ist es gelungen, das Potenzial auf einer längeren Strecke zu wecken. Vielleicht wäre es mal eine Überlegung wert, die hochtalentierte Sydney Schertenleib vom FC Barcelona früher zu bringen. Ihr genialer Steckpass hatte Géraldine Reuteler die Chance zum Ausgleich eröffnet. Die Angreiferin von Eintracht Frankfurt tröstete sich nur mit der Auszeichnung zur „Spielerin des Spiels“. Doch im Stadion Wankdorf muss jetzt ein Erfolgserlebnis her, sonst könnte die Party für den EM-Ausrichter bereits am Wochenende vorbei sein. Schade wär’s für ein Land, das sich gerade so viel Mühe für dieses Turnier gibt.