Eichenried – Der Schlag des Tages gelang am Freitag dem US-Amerikaner Davis Bryant bei den BMW International Open der Golfer in Eichenried: Er versenkte den Ball mit einem Eisen 9 am zwölften Loch direkt – mit nur einem Schlag, „Hole-in-one“ heißt das in der Fachsprache. Einen BMW gab’s dafür nicht. Es war das falsche Loch. Immerhin aber eine „1“ auf der Scorekarte.
Den Spruch des Tages lieferte Marcel Siem ab. „So bin ich halt“, hielt der 44-Jährige in der Pressekonferenz nach seiner Runde fest. Mehr brauchte es fast nicht als dieses Statement. Der deutsche Publikumsliebling demonstrierte starkes Golf, benötigte nur 66 Schläge (-6), katapultierte sich im Klassement nach vorne – und durchlebte wie so oft eine emotionale Achterbahnfahrt. Für jeden sichtbar. „Ich liebe diesen Sport so sehr, und es macht Bock, wenn es funktioniert. Und wenn ich Schrottschläge mache, dann sieht man es halt auch“, fasste Siem sein Golf zusammen. In Eichenried geht er fast als Einheimischer durch, auch wenn er aus Ratingen kommt. Als Kind wuchs er auf der Golfanlage auf, weil seine Eltern eine Zeit lang die Gastronomie im Club betrieben.
Als bester Deutscher zur Halbzeit des Turniers spielte er seinen Heimvorteil aus. Und doch: Trotz der Aufholjagd war genug Raum für Selbstkritik vorhanden. Martin Kaymer, der mit -4 im vorderen Mittelfeld zu finden ist, und Siem gingen ziemlich hart mit sich selbst ins Gericht. „Uns sind da ein paar unnötige Dinger passiert“, monierte Kaymer. Speziell auf die kurzen Schläge ins Grün zielte er ab. Die gingen ihm nicht nahe genug ran an die Fahnen. „Das darf uns bei der Spielstärke, die wir haben, nicht passieren.“ Siem präzisierte: „Wenn man hier vorne mitspielen will, muss man die Bälle an die Fahnen hauen, mit mehr Risiko spielen.“ Das hat sich der Ratinger nun fürs Wochenende vorgenommen. „Mit mehr Selbstvertrauen rausgehen und aggressiver sein.“
Am späten Nachmittag herrschte noch Hochbetrieb auf der Anlage. In der Früh hatte es in Eichenried fast zwei Stunden Startverzug gegeben, Unwetter kreisten um den Golfplatz. Da ging nichts. Bei Redaktionsschluss lag die Spitze bei neun Schlägen unter Par – mit Tendenz nach oben. Aus deutscher Sicht spielten sich Marcel Schneider, Hurly Long, Yannik Paul und Matti Schmid sicher ins Mittelfeld vor, fast eine Hand voll weiterer Spieler kämpfte darum, die beiden Finalrunden am Wochenende zu erreichen. Und damit auch ein bisschen was vom Preisgeld abzubekommen. Das gelingt den besten 65 und schlaggleichen Teilnehmern im riesigen 156er-Feld.CHRISTIAN FELLNER