Bayern- und Frankreich-Experte: Ex-Profi Lizararu. © Imago
In der Ligaphase der Champions League konnten Joshua Kimmich und die Bayern gegen Paris und Ousmane Dembele (li.) gewinnen. © IMAGO/Wunderl
München – Kracher-Spiel bei der Club-WM. Im Viertelfinale des neuen Mega-Turniers trifft der FC Bayern am Samstag (18 Uhr) auf Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain. Auch Bixente Lizarazu wird genau hinschauen. Unser Interview mit der französischen FCB-Legende.
Herr Lizarazu, Bayern hat in dieser Saison schon gegen Paris gespielt – wer war im November Ihr Favorit?
Es hat keinen Sinn, zurückzublicken – und ich sage Ihnen auch warum.
Bitte!
Paris Saint-Germain im Jahr 2025 ist ein anderes Team als 2024. Sie haben sich in den letzten sechs Monaten derart verbessert – und zwar in allen Aspekten. In der Offensive, im Spielaufbau wie in Kontersituationen. Sie sind einfach in allem gut: Mit Ball, ohne Ball, im Umschalten. Gegen PSG ist man 90 – oder 120 – Minuten unter Druck. Denn jeder rennt für den anderen.
Hört sich so an, als hätten Sie einen klaren Favoriten.
Man weiß ja, dass an einem Tag, in einem Spiel immer alles passieren kann. Aber Luis Enrique hat schon ein Team aufgebaut, das im Moment schwer zu schlagen ist. Er hat ihnen Teamgeist eingehaucht, jeder macht seinen Job.
Ist PSG genau so hungrig auf den Club-WM-Titel wie auf den Henkelpott?
Natürlich wollen beide Mannschaften am liebsten gewinnen. Aber für mich geht es am Samstag auch um die Physis. Es ist schwer einzuschätzen, wie die Teams nach drei Wochen vor Ort die Hitze weggesteckt haben. Es ist eigentlich schon Saisonende, alle sind müde. Und auch wenn PSG ein sehr junges Team hat, kann das Nachlassen der Kräfte langsam ein Faktor sein.
Bayern dürfte hochmotiviert sein. Es ist schließlich die beste Gelegenheit zu zeigen, dass sie doch noch zur absoluten Spitze der Welt gehören, oder?
Bayern kennt große Spiele, sie haben eine große Erfahrung darin. In so einem Spiel kann man zeigen, dass man – auch wenn im Viertelfinale der Champions League Schluss war und immer viel diskutiert wird – zu den besten Teams der Welt gehört. Da geht es auch ums Prestige. Ein Sieg gegen PSG wäre eine Menge wert.
Welche Spieler werden den Unterschied machen müssen?
Wir könnten jetzt über Dembelé, Doué, Barcola oder Kvaratskhelia sprechen. Oder über Olise, Musiala, Coman und Kane. Sie alle können den Unterschied machen. Aber wir sprechen lieber über den Teamgeist! Es ist ein Top-Level-Spiel, es wird um jeden Meter gehen. Dafür müssen alle bereit sein.
Ist es ein vorgezogenes Finale für Sie?
Sicherlich muss man auch Real auf dem Schirm haben. Aber wer sich in dem Spiel am Samstag durchsetzt, hat schon gute Chancen.
Sie wissen, wie es sich anfühlt, Weltpokalsieger zu werden.
Oh ja, ich habe das Gefühl noch genau im Kopf. Es war fantastisch!
Erzählen Sie mal!
Im Mai 2001 haben wir die Champions League gewonnen, im Winter waren wir dann Club-Weltmeister. Damals spielte einfach der Beste aus Europa gegen den Besten aus Südamerika, um die beste Mannschaft der Welt zu küren. Wir hatten einen richtigen Kampf gegen die Boca Juniors, es war ein hitziges Spiel, wir mussten die Nerven behalten. Aber das haben wir geschafft – also war die Freude umso größer. Ich habe nur gute Erinnerungen an Tokio.
Man hört aber Kritik am jetzigen Modus raus.
Es gibt Fans, die sagen, der Wettbewerb ist zu lang, es spielen zu viele Mannschaften mit. Man muss darauf achten, dass es nicht irgendwann zu viel Fußball wird.
Sehen die Leute in Frankreich das auch so?
Wir hatten die neue Champions League mit mehr Spielen, die lange Saison daheim, die Nations League, jetzt die Club-WM. Man muss darauf achten, dass es nicht zu viel wird. Ich verstehe aber auch, dass man viel Geld einnehmen muss, um die immer höheren Gehälter zu bezahlen.
INTERVIEW: HANNA RAIF