Bayerns Horror-Bilanz

von Redaktion

K.o.-Spiel-Fluch hält seit 2020 an – Hainer: „Kader schwer zu verstärken“

Auftrag im zweiten Vertragsjahr: Kompany will große Titel. © IMAGO

München – Langsam, aber sicher stellt sich das Gefühl ein, das man für Urlaub braucht. Seit Montagmittag sind die Spieler des FC Bayern zurück in München, der Dienstag war zum Ankommen da – ab sofort sind noch mehr als zweieinhalb Wochen Freizeit angesagt. Das Ziel in dieser Zeit ist klar: die müden Beine nach der Mammutsaison zu regenerieren und den Kopf freizubekommen. Wie genau da am Mittwochabend der Knaller zwischen PSG und Real Madrid im Halbfinale der Club-WM reinpasste, musste jeder für sich entscheiden. Ein Spiel, das man eigentlich sehen muss. Wenn es nicht irgendwie doch noch wehtun würde, dass nicht man selbst, sondern die anderen im MetLife Stadium von East Rutherford um den begehrten Titel „Club-Weltmeister“ spielen.

Ein Turnier-Aus ist nie schön, die Frage nach Aufwand und Ertrag stellt sich zwangsläufig, wenn eine Mission unerfüllt bleibt. Der K.o. gegen Paris im Viertelfinale (0:2) ist überschattet von der schweren Verletzung von Jamal Musiala unglücklich zustande gekommen, mal wieder. Aber für die Bayern geht es bei der Erstausgabe des neuen Turniers nicht um den Einzelfall. Intern war die Club-WM auch dafür ausgerufen worden, den K.o.-Spiel-Fluch, der den Rekordmeister seit nunmehr fünf Jahren begleitet, endlich zu überwinden. Ein großer Sieg hätte Schwung gegeben, um wieder regelmäßig in Pokalwettbewerben nach großen Titeln greifen zu können. Allerdings lautet das ernüchternde Fazit: Satz mit x, das war nix.

Wie dringend es nötig gewesen wäre, zeigt ein Blick auf die Bilanz seit dem Quadruple-Jahr 2020. In der Champions League war vier Mal im Viertelfinale Schluss, lediglich 2024 stand man in der Runde der besten Vier. Noch schlimmer sieht es im DFB-Pokal aus, wo der Wettbewerb drei Mal bereits ab der zweiten Runde (2021, 2022, 2024), einmal ab dem Achtelfinale (2025) und einmal ab dem Viertelfinale (2023) ohne den Rekordsieger stattfinden musste. Es ist nur logisch, was gemeint ist, wenn Max Eberl betont: „Wir müssen den nächsten Schritt machen.“ Endlich mal wieder ein richtig großes Spiel gewinnen, das Glück erzwingen, das Momentum auf die eigene Seite kippen lassen. Genau das wird die Aufgabe sein, an der sich Vincent Kompany in seinem zweiten Jahr an der Seitenlinie messen lassen muss.

Die Meisterschaft in der Premieren-Saison war verdient. Aber: es muss ab jetzt mehr kommen. Kapitän Manuel Neuer will das lange starke PSG-Spiel „als Vorbild“ nehmen, „um zu sagen: Jetzt erst recht! Wir wollen in Europa wieder angreifen, auch in der Bundesliga und im DFB-Pokal wieder da sein.“ Dafür aber – so auch die interne Analyse – braucht es starke Führung. Typen, die vorangehen, den Ton angeben, mitreißen. Die berechtigte Frage, die nicht nur Sportvorstand Max Eberl sich stellt: Reicht der aktuelle Kader dafür?

„Dass wir unsere Offensive verstärken wollen, ist ja bekannt. Wir müssen schauen, was möglich ist“, sagte Herbert Hainer der „Sport Bild“. Der Präsident schob – wohl wissend, dass es auf dem Transfermarkt nach wie vor schleppend läuft – hinterher: „Der Job eines Sportdirektors besteht nicht nur aus Kaufen und Verkaufen.“ Zudem sei es „angesichts des hohen Niveaus unseres Kaders keine leichte Aufgabe, Verstärkung zu finden“. Es hörte sich stark danach an, als baue Hainer schon mal vor für das Szenario, das sich anbahnt: dass der Kader sich nur noch punktuell ändern wird – aber das Stammpersonal der letzten Jahre den K.o.-Fluch besiegen muss.

Dabei spräche noch ein Jahr Viertelfinal-Aus-Abo eine eindeutige Sprache.HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER

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