ZUM TAGE

Das Beste bitte erst zum Schluss

von Redaktion

Parallelen zur EM 2013

Es gibt aktuell mit Sara Däbritz nur noch eine Nationalspielerin, die leibhaftige Erinnerungen an die EM 2013 vorbringen kann. Trotzdem hat der deutsche Tross in der Schweiz genügend Zeitzeugen dabei. Damals, als noch keine Luxusunterkunft als Basislager diente, sondern die Nationen einfach von einem Stadthotel zum anderen zogen. Deutschland begab sich in Schweden auf eine schöne Reiseroute. Alles ging mit Gruppenspielen in Växjö los, zwischendurch ging es nach Kalmar an die Küste, zurück in die Kleinstadt Växjö, ehe Göteborg und Stockholm folgten. Das Beste eben zum Schluss. Oder waren das die Nächte, in denen es nie richtig dunkel wurde und junge Leute bis zum Abwinken feierten?

Die emsige Pressesprecherin Annette Seitz oder der ewige Torwarttrainer Michael Fuchs haben noch manche Anekdote in Erinnerung. Und auch Co-Trainerin Saskia Bartusiak könnte einiges erzählen, die damals als eine der zuverlässigsten Verteidigerinnen Europas verteidigte. Neben ihr grätschte die bissige Annike Krahn alles weg, was in den Strafraum wollte. Den Rest hielt einfach die eigenwillige Nadine Angerer. Nein, es waren keine spielerischen Glanzleistungen, die die DFB-Frauen nach den Irritationen der vermasselten Heim-WM 2011 vollbrachten.

Und so gibt es einige Parallelen für Bundestrainer Christian Wück, die als Blaupause gelten dürften. Seine Vor-Vorgängerin Silvia Neid erschuf mit Unterstützung von Charakteren wie Angerer, Bartusiak und Krahn einen Spirit in einer Gemeinschaft, die sich mit jedem K.o.-Spiel mehr in seine Verteidigungshaltung verbiss. Drei 1:0-Siege gegen Italien, Schweden und Norwegen genügten, damit sich alle auf dem Frankfurter Römer feiern ließen.

Dass die Gegner mehr Spielanteile, mehr Chancen hatten, interessierte hinterher niemanden mehr. Deutschland hatte das Team mit der größten Leidensfähigkeit entwickelt. Unklar, ob das in diesem Turnier genügt, wo im Viertelfinale vielleicht erst französisches Tempo, im Halbfinale spanische Finesse warten könnte. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass eine deutsche Nationalelf ihre Tugenden dagegensetzt. Die Männer haben damit über Jahrzehnte reüssiert. Auch wenn es verdammt lang her ist…

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