Zum Heulen: Finalverliererin Amanda Anisimova. © AFP
Obenauf: Iga Swiatek, jetzt auch Rasenkönigin. © AFP
Ekstase auf dem heiligen Rasen: Swiatek bejubelt ihre erfolgreiche Kurzarbeit (6:0, 6:0) im Finale von Wimbledon. © EPA
Wimbledon – Iga Swiatek empfing die Venus Rosewater Dish mit breitem Grinsen aus den Händen von Herzogin Kate, Amanda Anisimova rang nach einer historischen Demütigung unter Tränen nach Worten: Mit einer Machtdemonstration für die Geschichtsbücher hat die Polin den Thron von Wimbledon erobert und ihren sechsten Grand-Slam-Titel perfekt gemacht.
Die Ausnahmeathletin demütigte die US-Amerikanerin Anisimova in einem der einseitigsten Endspiele der Tennis-Geschichte mit 6:0, 6:0 – für die French-Open-Gewinnerin von 2024 war es auf Grand-Slam-Niveau ihr 100. Sieg. „Es fühlt sich sehr surreal an. Ich möchte Amanda für tolle zwei Wochen gratulieren“, sagte Swiatek. In ihren kühnsten Träumen hätte sie sich das nicht vorstellen können, so die 24 Jahre alte Polin, die ihrem Trainer dankte: „Nach den Auf und Abs in letzter Zeit haben wir gezeigt, dass es klappen kann.“
Anisimova gratulierte der haushoch überlegenen Rivalin fair. „Du bist eine Inspiration für mich. Mir ist heute ein bisschen der Sprit ausgegangen. Ich hatte gehofft, besser spielen zu können.“ Die Erfahrungen werde sie jedoch „nie vergessen“. Emotional dankte sie ihrer Mutter, die extra eingeflogen war. „Wegen dir habe ich nicht verloren“, sagte Anisimova mit einem Lachen.
37 Jahre nach dem „Double Bagel“ von Steffi Graf gegen Natallja Swerawa bei den French Open schaffte Swiatek erst das zweite 6:0, 6:0 im Finale eines Grand-Slam-Turniers in der Open Era. Nach 57 Minuten war das Match beendet.
Swiatek darf sich über 3 Mio. Pfund Preisgeld freuen. Nach vier Titeln in Roland Garros (Sand) und ihrem Triumph in New York 2022 (Hartplatz) hat Swiatek nun auf allen drei Belägen einen Major-Titel gewonnen – auf Rasen ist es ihr erster Titelgewinnen überhaupt.
Anisimova (23), die im Halbfinale die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka ausgeschaltet hatte, verpasste hingegen ihren ersten Grand-Slam-Erfolg. An diesem Montag wird sie dafür erstmals zu den Top Ten der WTA-Weltrangliste gehören. Ihr bleiben 1,52 Millionen Pfund Preisgeld.
Trotz der Demütigung bleibt das Turnier für Anisimova ein Erfolg. Vor zwei Jahren nahm sich die Tochter russischer Auswanderer aufgrund mentaler Probleme eine monatelange Auszeit, auch, um dem Druck des Tenniszirkus zu entkommen. Nun ist sie zurück in der Weltspitze.
Zu der gehört Swiatek schon lange, sie beendete eine schwierige Phase in ihrer Karriere. Seit 13 Monaten hatte sie keinen Titel mehr gewonnen, dazu saß sie im zwischen September und Oktober 2024 eine einmonatige Dopingsperre ab. In den zwei Wochen von Wimbledon zeigte sie aber wieder ihr absolutes Topniveau, schon im Halbfinale war sie mit 6:2, 6:0 über die Schweizerin Belinda Bencic hinweggefegt.
Das kürzeste Wimbledon-Finale bei den Frauen war Swiateks 6:0, 6:0-„Quickie“ aber bei weitem nicht: Diesen Rekord hält noch immer Suzanne Lenglen aus Frankreich, die 1922 in nur 23 Minuten über die Amerikanerin Molla Mallory (6:2, 6:0) hinweggefegt war.SID