Ulrichsberg/München – Das Lächeln war am Samstag zurück im Gesicht von Florian Niederlechner. Am Freitag sah das noch anders aus. Knieschmerzen nach einem Zusammenprall im Test gegen Liberec (0:1), Auswechslung. Der erste Dämpfer der neu entfachten Löwen-Euphorie? Nein, gibt Niederlechner bei einer Medienrunde 18 Stunden später Entwarnung: „Es ist eine Knieprellung. Sonntag noch Ruhe, und dann wird es wieder gehen.“
Aufatmen bei den Löwen, die Vorfreude auf den Ligastart in drei Wochen bei Rot-Weiss Essen (Freitag, 1. August, 19 Uhr) bleibt ungetrübt. Seine gute Laune hat Niederlechner trotz des Schreckmoments nicht verloren. Der 34-Jährige strahlt, wenn er über die intensiven ersten Wochen bei „seinen“ Löwen spricht: „Genauso habe ich mir das vorgestellt. Ich hatte seit drei Wochen keinen freien Tag. Krass, was alles auf einen einprasselt, aber das macht einfach Spaß.“ Auch sportlich ist der Angreifer überzeugt, dass 1860 die hohen Erwartungen erfüllen kann: „Ich bin positiv überrascht, das neue System funktioniert schon richtig gut. Wir lassen fast keine Torchancen zu, alle marschieren viel gegen den Ball – das ist die Basis.“
Dass er im Herbst seiner Karriere doch noch einmal für seinen Jugendclub aufläuft, hätte er nicht mehr für möglich gehalten: „Ich habe bei Ebersberg in der A-Jugend Kreisliga gespielt, da rechnet man nicht mehr damit, Profi zu werden.“ Über mehrere Umwege landete Niederlechner bei der SpVgg Unterhaching, überzeugte dort in der 3. Liga mit vielen Toren. Der Türöffner zum Traum 1860? „Ich habe so sehr gehofft: Bitte, bitte holt mich. Mein Berater hat mich immer wieder angeboten. Ich werde nie vergessen, wie die Nachricht aufploppte: Löwen-Verantwortlichen glauben nicht daran, dass Niederlechner die 2. Bundesliga packt.“ Statt zu 1860 ging Niederlechner nach Heidenheim, es folgten 197 Bundesligaeinsätze in Freiburg, Mainz, Berlin und Augsburg.
Dementsprechend glücklich blickt Niederlechner auf seine Laufbahn zurück: „Ich bin als einfacher Bauer aus Ebersberg bis in die Europa League mit Freiburg gekommen, stand kurz vor der Nationalmannschaft.“ Olympia 2020 wäre er wohl dabei gewesen, seine Konkurrenten, Max Kruse und ein gewisser Kevin Volland, waren beide verletzt. Corona kam – und der Adler auf der Brust blieb ein Traum. Einen anderen Traum jedoch wollte sich der robuste Stürmer unbedingt erfüllen: Spieler der ersten Mannschaft bei 1860 München zu sein. Hat geklappt. Er und Volland hätten dem Team gegenüber sofort klar gemacht, dass wir „einfach zwei Jungs aus Bayern sind, die Gas geben“. Dennoch betont Niederlechner: „Ich spreche Probleme aber an, wenn ich sie erkenne. Immer nur Ja und Amen bringt keinen voran.“
Die Erwartungshaltung bei den Löwen ist groß. Weiß auch Niederlechner: „Ich kann mit Druck umgehen. Schön wäre es, wenn wir zusammenhalten. Wir und das Grünwalder Stadion müssen eine Einheit sein.“
An diesem Sonntag formulieren die Löwen auf dem Fanfest das offizielle Saisonziel. Alles andere als der Aufstieg wäre nach diesem Transfersommer eine Überraschung. Niederlechner ist in seinem Traum angekommen. Ob er das erhoffte Happy End bringt, wird man noch sehen – spätestens im Mai 2026.MARCO BLANCO UCLES