Nils Politt (re.) und Tadej Pogacar. © Venance/AFP
Châteauroux – Wenn der unentschlossene Fernsehzuschauer in diesen Tagen durch das Nachmittagsprogramm zappt, dann dürfte er irgendwann auch auf Nils Politt stoßen. Der Kölner Radprofi verdient sich bei der Tour de France an der Spitze des Pelotons mit Fleißarbeit für den Superstar Tadej Pogacar stundenlange Sendezeit.
„Es macht riesigen Spaß, für so einen Kapitän die Körner auf der Straße liegen zu lassen“, sagte Edelhelfer Politt am ARD-Mikrofon, „für einen der weltbesten Fahrer, die wir jemals hatten. Es ist etwas Besonderes.“ Pogacar wisse es „zu schätzen, was das ganze Team für ihn leistet“, lobte der 31-Jährige.
Der slowenische Titelverteidiger weiß genau, was er an seinem deutschen Teamkollegen hat. „Ich bin wirklich froh, ihn zu haben“, schwärmte Pogacar: „Nils Politt ist ein Unikat“, „unsere Giraffe“, wie der schlaksige Rheinländer nicht erst seit seinem Wechsel zu UAE Emirates-XRG 2024 genannt wird. Mit seiner Größe von 1,92 Metern bringt Politt Gardemaß für seine Rolle mit: das Tempo im Peloton bestimmen, beliebig erhöhen, Ausreißer einfangen und dabei möglichst viel Windschatten spenden – vor allem auf den flachen Abschnitten. Vor der ersten Etappe in den Bergen am Montag durfte Politt am Wochenende etwas durchschnaufen.
Doch wenn es ins Zentralmassiv geht, ist Politt erneut gefordert. Und dies mehr denn je, denn Pogacars Edelhelfer Joao Almeida stieg mit gebrochener Rippe vom Rad.. „Dann heißt es noch einmal alles raushauen vor dem Ruhetag“, sagte der deutsche Meister von 2022. Am heutigen Nationalfeiertag haben die Organisatoren die erste anspruchsvolle Klettershow vorgesehen, 4450 Höhenmeter inklusive.
Es geht rauf und runter: Unter anderem sieben Anstiege der zweiten Kategorie stehen auf dem Programm. Nie zuvor hatte es an einem Tag so viele Anstiege dieser mittelschweren Kategorie gegeben. Vor dem ersten Ruhetag warten 165,3 Kilometer auf die Radprofis zwischen Ennezat und dem Skigebiet Le Mont-Dore am Puy de Sancy.
Bei schweißtreibenden Etappen wie dieser leider vor allem die Sprinter, darunter auch der Deutsche Pascal Ackermann. Der 31-Jährige verpasste am Samstag als Vierter das Podest und einen möglichen Sieg. „Ich habe meinen Anfahrer zu früh verloren. Ich denke mal, Vierter, mehr war heute nicht drin. Es war ein knüppelhartes Finale. Die Leute, die vor mir waren, sind keine Schlechten. Ich bin recht zufrieden, wir haben noch ein paar Sprints“, sagte Ackermann, der Jonathan Milan, Wout van Aert und Kaden Groves den Vortritt lassen musste. Milan, der Spitzenwerte von bis zu 1965 Watt erreicht, wurde dieses Mal seiner Favoritenrolle gerecht und holte sich auch das Grüne Trikot von Pogacar zurück. „ Es gab einige Erwartungen, einige Träume. Sie aber nach Hause zu bringen, das sind zwei unterschiedliche Dinge.“
Am Sonntag gab es beim Tagessieg des Belgiers Tim Merlier trotz einer langen Flucht von Superstar Mathieu Van der Poel keine Veränderungen im Gesamtklassement. Tadej Pogacar fährt weiter in Gelb.SID