TV-KRITIK

Petry 1, ABBA 4

von Redaktion

Lehmann, Voss und Wück.

Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n – dieser 1992er-Hadern von Wolfgang Petry ist das Partylied unserer EM-Fußballerinnen. Der emeritierte Barde hat es den Spielerinnen selber vorgesungen, und sie damit womöglich entscheidend geschwächt. Jedenfalls wurden wir böse Schweden-vermöbelt. Petry 1, ABBA 4 – das war musikalisch abzusehen und trotzdem bitter. Wir haben den Petry-ZDF-Check mit der sprachlich originellen Claudia Neumann. Wolle mer loslegen!

Vergessen: Haben wir ganz schnell die Vorberichte. Reporterin Amelie Stiefvatter hat mit Fans ein obskures Schweden-Quiz veranstaltet. Die Fragen lauteten ungefähr so: „Wie heißt der Michel aus Lönneberga mit Vornamen?“ Moderator Voss, der Sven vom Lerchenberga, hat versucht, Expertin Kathrin „Ka“ Lehmann bös zu veräppeln. „Wenn Dein Tipp wahr wird, tauschen wir Sakko“, versprach er der Schweizerin – dabei hatte er gar keins an. Vossi moderiert ja auch „XY gelöst“ mit grausigen Mordfällen. Aber der Kerl scheint eher ein Fall für „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ zu sein.

Verlieben: Könnte man sich in die quietschfidele Kathrin Lehmann, die an der TU München über Sportspiele, Sportdidaktik und Zusatzqualifikationen doziert. Sie ist somit noch schlauer als Didi Hamann – redet aber trotzdem volkstümlich Klartext. Ihr Tipp für die DFB-Spielerinnen: „Nicht blöd im Weg stehen!“ Leider wurde dieser Ratschlag nicht vollumfänglich berücksichtigt, was zum Petry-Thema „Verlieren“ führt. Es ist eine Freude, ihr zuzuhören, wenn sie ihr „Bungeejumping fürs Gehirn“ veranstaltet. Was uns wundert: Frauen dürfen als Expertinnen (völlig zurecht) über Frauen- und Männerfußball reden. Warum reden keine Männer über Frauenfußball? Wo ist Chris Kramer? Zu schade dafür, Lothar?

Verzeih’n: Müssen wir Claudia Neumann vieles. Schon nach wenigen Augenblicken erklärte sie das deutsche Ziel so: „In der defenstitiv leichteren Hälfte des Tudierbaums aufzutauchen.“ Später lobte sie die „Reguladenseite der Schwedinnen“ und wusste, dass die Spielerinnen nun „ihre Gedanken Richtung Viertelfinale schwenken dürfen“. Sagen wir mal so: Die Erfinderin extravaganter Vokabeln hat alle Erwartungen erfüllt. Eine Zusatzqualifikation im Kurs von Kathrin Lehmann könnte nicht schaden.

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