Streckt sich vergeblich: Carlos Alcaraz verpasste den Titel-Hattrick in Wimbledon. © Wigglesworth/dpa
Zum ersten Mal hat Jannik Sinner Wimbledon gewonnen. Es ist sein vierter Grand-Slam-Titel. © IMAGO/Garcia
Jannik Sinner hat es geschafft: Nach 3:04 Stunden streckt er die Arme gen Himmel. © IMAGO/Ella Ling/Shutterstock
London – Sekundenlang breitete Jannik Sinner seine Arme aus, ging in die Knie und klopfte immer wieder auf den Rasen. Ergriffen feierte der Italiener seinen Premierentriumph in Wimbledon, mit dem er den Titel-Hattrick von Carlos Alcaraz beim Klassiker auf Gras verhinderte. Der 23 Jahre alte Italiener gewann das mit großer Spannung erwartete Finalduell der derzeit besten Tennisprofis 4:6, 6:4, 6:4, 6:4 und holte seine vierte Grand-Slam-Trophäe. Stolz nahm er die Gold-Trophäe von Prinzessin Kate entgegen.
„Es ist so besonders, so großartig, hier zu gewinnen. Als ich jung war, war dies nur ein Traum, der Traum der Träume, weil dies so weit entfernt war“, sagte Sinner und richtete auch Worte an seinen Gegner. „Du wirst noch viele Titel hier gewinnen – aber du hast ja auch schon zwei.“
Über die kurioseste Szene des Finals konnte Sinner auch schon wieder lachen: Im zweiten Satz landete der Korken einer Champagnerflasche eines Fans nur knapp neben ihm, als er aufschlagen wollte. Anschließend entsorgte er selbst den Korken. „Es ist ein sehr teures Turnier“, scherzte Sinner.
Der Weltranglistenerste schaffte mit dem Sieg die erfolgreiche Revanche für das epische Endspiel der French Open vor gut einem Monat, das er in fünf Sätzen nach fünfeinhalb Stunden gegen den Spanier Alcaraz verloren hatte. „Sinner König von Wimbledon“, titelte die „Gazzetta dello Sport“.
Vor den Augen von Prinz William und Prinzessin Kate sowie dem spanischen König Felipe VI. konnte das Finale jedoch nicht immer mit der Spannung und dem Niveau des Showdowns in Paris mithalten. Besonders Alcaraz zeigte ungewohnte Schwächen, die Sinner eiskalt ausnutzte. „Es ist immer schwierig, zu verlieren, besonders in einem Finale. Du hast großartiges Tennis über zwei Wochen gespielt“, gratulierte Alcaraz.
Direkt zu Beginn überzeugte der Italiener mit aggressivem Tennis und brachte sich schnell mit 4:2 in Führung. Doch auch Alcaraz erhöhte Tempo und Präzision in den langen Ballwechseln, holte sich das Break zurück. Sinner wirkte angeschlagen, geriet immer mehr in die Defensive, verlor vier Spiele in Serie. Beim Satzball konterte Alcaraz eine krachende Vorhand des Südtirolers die Linie entlang per Rückhand im Ausfallschritt – auch Kate und William applaudierten wie ihre Kinder George und Charlotte im Stehen.
In den folgenden drei Sätzen gab Sinner kein Aufschlagspiel mehr ab. Verzweifelt versuchte der Spanier, mit Stoppbällen seinen Rhythmus zu brechen. Doch laufstark machte dieser den Plan immer wieder zunichte – und stand nach 3:04 Stunden als Sieger fest.
Für den Südtiroler war es der erste Titel seit den Australian Open und seiner anschließenden Dopingsperre. 40 Jahre nach dem ersten Wimbledon-Triumph von Boris Becker verpasste es Alcaraz dagegen, sowohl bei Erfolgen im All England Club (3) als auch bei Grand Slams (6) mit dem Deutschen gleichzuziehen.
Seit dem Start der Saison 2024 haben Sinner und Alcaraz nun alle Grand-Slam-Titel unter sich ausgemacht, der Italiener hat nun vier in diesem Zeitraum gewonnen, der Spanier drei. Und ihr Zeitalter dürfte gerade erst begonnen haben.DPA