Es ist ja nicht so, dass es das deutsche Versagen in einem Klassiker des Frauenfußballs noch nicht gab. Natürlich hilft es Bundestrainer Christian Wück nicht, dass vor fast genau sechs Jahren ein noch wichtigeres Turnierspiel gegen Schweden nach ähnlichem Muster ablief. Das WM-Viertelfinale 2019 gegen den früheren Lieblingsgegner startete genauso furios wie jetzt das krachend verlorene EM-Gruppenspiel. Eine Woche lang hatte die damalige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg über dem Matchplan getüftelt, um vieles über den Haufen zu werfen. Lina Magull schoss früh ein Tor – und dann kam in der Gluthitze von Rennes nicht mehr viel.
Das überflüssige WM-Aus war damals ein schwerer Rückschlag, weil mit dem Reinfall auch die Olympia-Qualifikation flöten ging. Im Grunde hatte der Abstieg schon zwei Jahre zuvor unter der als Fußballlehrerin überforderten Steffi Jones angefangen, die bei der EM 2017 im Regen von Rotterdam gegen Dänemark (1:2) ebenfalls im Viertelfinale baden ging. Auch nach gutem Beginn mit einem trügerischen Vorsprung.
Wenn sich solche Niederlagen als roter Faden durch die Geschichte einer stolzen Fußballnation ziehen, stimmt etwas nicht. Es kommt vieles zusammen, aber hinterfragt werden müssen Ausbildung, Haltung – und vielleicht auch die Unterbringung. Das Luxusquartier hoch oben über Zürich ist zwar toll anzusehen, vermittelt aber von außen ein falsches Bild.
Die DFB-Frauen sind, darüber darf auch die mit ordentlich Glück und einer überragenden Torhüterin Ann-Katrin Berger erkämpfte Bronzemedaille in Paris nicht hinwegtäuschen, nicht mehr Weltspitze. Der Rückstand gerade auf die Weltmeisterinnen aus Spanien ist gewachsen, obwohl bei der EM 2022 die damalige Bundestrainerin Voss-Tecklenburg sich erst gegen Spanien, dann Frankreich perfekte Pläne zurechtlegte, um individuell besser besetzte Kontrahenten in England in die Knie zu zwingen.
Das Erfolgsrezept: Räume verdichten, Passwege zustellen, Zweikämpfe gewinnen. Wück darf sich diese leidenschaftlichen Auftritte vor dem EM-Viertelfinale 2025 ruhig noch mal ansehen. Noch ist nicht alles verloren. Aber ein erneutes Versagen unter seiner Regie darf es nicht mehr geben, sonst müsste eine ergebnisoffene Aufarbeitung dieses Turniers auf allen Ebenen folgen.