Venus Williams siegt auch mit 45. © Taetsch/AFP
Washington – Venus Williams strahlte wie eine überglückliche Teenagerin und setzte dann zu ihrer bekannten Jubel-Pirouette an: Als die 45 Jahre alte US-Amerikanerin die Zeit zurückgedreht und ihr erstes Einzel auf der Tour seit zwei Jahren gewonnen hatte, platzte die Freude nur so aus der siebenmaligen Grand-Slam-Siegerin heraus.
„Man kann kaum beschreiben, wie schwierig es ist, nach einer so langen Auszeit das erste Match zu bestreiten“, sagte Williams, die mit ihrem 6:3, 6:4-Erfolg in Washington D.C. gegen ihre wackelige Landsfrau Peyton Stearns die älteste Matchwinnerin auf der WTA-Tour seit 21 Jahren ist. Damals sorgte eine andere Legende für spätes Aufsehen: Martina Navratilova war sogar 47 als sie in Wimbledon den Rasen als Siegerin verließ. Nun juchzte Williams über einen „wunderschönen Abend“.
Keine Frage: Es war ein erstaunlicher Auftritt, den die einstige Weltranglistenerste vor ihren vielen Fans, ihrer Familie und ihrem Verlobten Andrea Preti hinlegte. Williams hämmerte die gelbe Filzkugel immer wieder mit altbekannter Power über das Netz und erinnerte mit dem Auftritt ein Stück weit an viele große Momente ihrer Karriere, die 1994 im Alter von nur 14 Jahren begonnen hatte. Und noch immer nicht zu Ende ist.
819 Tour-Matches hat Williams gewonnen und trifft in der US-Hauptstadt nun in der zweiten Runde auf die an Nummer fünf gesetzte Polin Magdalena Frech. Auch im Doppel hat Williams an der Seite ihrer 22 Jahre jüngeren Landsfrau Hailey Baptiste die erste Runde überstanden. Längst machen Gerüchte die Runde, die zweimalige US-Open-Siegerin könnte auch in New York im Einzel an den Start gehen. Zuletzt wurde auch schon bekannt, dass sie für den aufgewerteten Mixed-Wettbewerb mit Landsmann Reilly Opelka gemeldet hat. Zu weiteren Plänen halten sich die Veranstalter allerdings noch bedeckt.
Williams betonte, dass ihre Erfolge das Ergebnis harter Arbeit seien. Und sie fühle sich vielleicht auch etwas freier als zuvor. Tennis sei zwar ihr „Leben“, buchstäblich sogar ihre „Obsession“, sagte sie schon nach dem erfolgreichen Einstieg im Doppel. Doch all das spiele keine Rolle, wenn die Gesundheit nicht da sei. Die Olympiasiegerin von 2000 hat eine Gebärmutter-Operation zur Entfernung von Uterus-Myomen im Vorjahr überstanden und achtet mehr denn je auf ihren Körper.
Entsprechend fit fühlt sich Williams, die 2008 in Wimbledon ihren letzten großen Titel gewann. Darum kämpft sie heute nicht mehr. Aber die eine oder andere Jubel-Pirouette möchte sie schon noch gerne drehen. SID