Wer lügt hier wen an?

von Redaktion

1860: Skurrile Aussagen im Investoren-Drama – Reisinger schweigt weiterhin

Kein Kommentar: Ex-Präsi Robert Reisinger. © sampics

Einer bleibt nicht bei der Wahrheit im Löwen-Drama: Ex-Vizepräsident Karl-Christian Bay (Mi.) und 1860-Investor Hasan Ismaik. © Sampics

München/Abu Dhabi – Redet man dieser Tage mit Funktionären des TSV 1860, läuft das Gespräch oft ähnlich ab: Das historische Investoren-Chaos der letzten Wochen? Möchte man beiseiteschieben – Schnee von gestern. „Blick nach vorne richten“, lautet die Devise. Nun, ganz so leicht ist das nicht. Viele Fans fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Erst die Verkündung des Verkaufs der Anteile Hasan Ismaiks an ein Schweizer Familienholding. Dann Rolle rückwärts: Deal geplatzt! Und nun melden sich im Abstand weniger Stunden Protagonisten der gescheiterten Verhandlungen und schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Die Übersicht:

■ Hasan Ismaik

Am Freitag, 18. Juli, platzte die Bombe: Hasan Ismaik bleibt bei 1860. Der Jordanier polterte auf Social Media, Robert Reisinger (Ex-Präsident) und Karl-Christian Bay (Ex-Vizepräsident und Aufsichtsrat) hätten „alle getäuscht“. Zumindest Bay wehrte sich energisch gegen die Vorwürfe, dazu gleich mehr. Das frühere Präsidium habe auf eine Veröffentlichung des Verkaufs am 5. Juli gedrängt, einen Tag vor der Mitgliederversammlung. Zudem sei Bay früh in den Prozess mit eingebunden gewesen, damit der Verein entscheiden kann, ob es sich beim vorgesehenen Käufer um einen geeigneten Kooperationspartner handelt. „Meine Enttäuschung richtet sich dabei klar gegen das frühere Präsidium“, fasst Ismaik zusammen und erklärt „alle rechtlichen Schritte zu prüfen und einzuleiten“.

■ Karl-Christian Bay

Viel war über den 55-Jährigen und dessen Rolle im Investoren-Dilemma geschrieben worden. Am Montag dann die Verkündung seines Rücktritts aus dem Aufsichtsrat. „In meinen bisherigen Funktionen habe ich zuletzt auch an dem gescheiterten Investorendeal aufseiten des Vereins mitgewirkt“, erklärte Bay und zog für sich die Konsequenzen – betonte allerdings nachdrücklich entgegen der Ismaik-Version: „Ich habe weder den Käufer vermittelt, vorgeschlagen oder mich an der Auswahlentscheidung beteiligt. Noch habe ich einen Compliance Check oder eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt. Die entsprechende Verantwortung liegt und verbleibt beim Verkäufer und seinen Beratern.“ Auch in Bezug auf die verfrühte Pressemitteilung am Abend des 5. Juli stellt Bay klar: „Die vielfach kritisierte Pressemitteilung war sowohl von Vertretern unseres Mitgesellschafters als auch vom neuen Investor autorisiert worden.“ Es bleibt also Aussage gegen Aussage – in gleich mehreren Punkten.

■ Matthias Thoma

Rolle rückwärts beim angeblichen (Fast)-Investor der Löwen: Gegenüber dem Löwen-Portal dieblaue24 erklärte Thoma, er sei überhaupt nicht der Kaufinteressent gewesen, sondern lediglich dessen Vermittler. Details gibt es nicht, stattdessen die Erklärung: „Es ist eine schwebende Geschichte. Ich will nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Ich weiß aber, warum es so gekommen ist.“ Nächste Wende im irren 1860-Theater. Den von Ismaik kritisierten Bay nimmt Thoma in Schutz: „Bay war von Anfang bis Ende nicht involviert. Er hat keine Auswahl getroffen, sich nichts zuschulden kommen lassen.“

■ Robert Reisinger

Wenigstens einer, der verlässlich sein Wort hält. Zumindest wenn es darum geht, sich nach seiner Abschlussrede auf der Mitgliederversammlung am 6. Julia aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Gibt keine Kommentare an Medien ab, die zur Aufarbeitung der Geschehnisse nützlich sein könnten.

■ Christian Werner

Der Geschäftsführer der Löwen wird alle Hände voll zu tun haben, die politischen Unruhen wenige Tage vor dem Saisonstart fern zu halten – Voller Fokus auf Essen (1. August). Ismaik wird vier Tage vor dem heißen Ligaauftakt in München landen – und vermutlich auch Werner einen Besuch abstatten.MARCO BLANCO UCLES

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