Aitana Bonmati © AFP
Zürich – Aitana Bonmatí tanzte selig durch den Züricher Regen. Während das deutsche Team geknickt den Letzigrund verließ, verwandelten Spaniens Fußball-Heldinnen den Busparkplatz vor dem Stadion in ihre Partyzone. Mit Beatbox und Trommeln hüpften sie zum Takt und stimmten sich singend auf das große Finale gegen England ein – die Chance auf den nächsten großen Titel verdanken die Weltmeisterinnen Siegtorschützin Bonmatí. Ausgerechnet Bonmatí.
„In einem Spiel wie diesem ein Tor zu schießen, ist etwas ganz Besonderes“, sagte die zweimalige Weltfußballerin. Noch außergewöhnlicher wird Bonmatís Treffer, bei dem sie DFB-Torhüterin Ann-Katrin Berger sieben Minuten vor dem Ende der Verlängerung überrumpelte, durch ihre eigene, ganz persönliche Geschichte. Denn: Vor dreieinhalb Wochen lag sie noch im Krankenhaus, ehe sie am Mittwochabend mit ihrem Geniestreich ins kurze Eck zu Spaniens Halbfinal-Heldin avancierte.
„Darüber könnte ich ein Buch schreiben“, sagte die spanische Starspielerin auf die Frage, wie es sich anfühle, das Turnier wegen einer Krankheit beinahe verpasst zu haben und dann gegen Deutschland (1:0 n.V.) das entscheidende Tor zu erzielen. „Es war unser Traum, ins Finale einzuziehen. Für genau solche Momente arbeiten wir jeden Tag. Wir standen noch nie in einem EM-Finale“, so Bonmatí.
Im ersten EM-Endspiel in der Geschichte des spanischen Frauenfußballs wartet am Sonntag in der Neuauflage des WM-Finales nun der englische Titelverteidiger. Dass Bonmatí überhaupt dabei ist, grenzt an ein Wunder. Noch Ende Juni hütete die Mittelfeldspielerin des FC Barcelona wegen einer viralen Meningitis das Krankenbett. „Ich glaube nicht an Schicksal“, sagte Bonmatí, „ich glaube an meine Arbeit, an meine Mentalität“. Auf den ersten Sieg im neunten Duell mit der DFB-Auswahl dürfe die Mannschaft „stolz“ sein, meinte sie noch, „wir haben eine brutale Europameisterschaft gespielt. Das verdient es, gefeiert zu werden. An England denken wir morgen.“
Das letzte Vorbereitungsspiel gegen Japan in Leganés (3:1) hatte Bonmatí noch verpasst, nicht wenige befürchteten ihr EM-Aus. Erst drei Tage vor dem Auftaktspiel stieß Bonmatí zu ihrem Team.DPA