Trotzdem Aufbruchstimmung

von Redaktion

DFB glaubt an Trainer Wück und seinen „jungen Haufen“

Am Morgen danach: Giovanna Hoffmann. © dpa

Erste Worte gegen die Leere in den Köpfen: Frauen-Bundestrainer Christian Wück begann mit der Aufarbeitung des EM-Ausscheidens noch auf dem Spielfeld. © dpa/Sebastian Gollnow

Zürich – Die Tränen waren zwar getrocknet, als die tragische Heldin Ann-Katrin Berger und ihre Kolleginnen dem regnerischen Zürich den Rücken kehrten. Der Frust und die Enttäuschung überwogen bei den Fußballerinnen aber noch immer. Die DFB-Frauen schleppten sich zu den wenigen Fans vor dem Hotel, sie schrieben Autogramme und lächelten gequält für Fotos, ehe sich die Wege trennten. Urlaub und Erholung stehen an, um das Ende aller Titelträume gegen Spanien zu verdauen.

„Wir sind alle komplett leer“, klagte Bundestrainer Christian Wück. Zu nah waren die DFB-Frauen bei der nervenaufreibenden 0:1-Niederlage gegen den Weltmeister am Finaleinzug vorbeigeschrammt, zu bitter war der K.o. durch den „Geniestreich“ (Wück) der Weltfußballerin Aitana Bonmatí (113.). Er brauche nun „drei, vier, fünf Tage“, sagte der DFB-Coach, „um wieder einen klaren Gedanken zu fassen“.

Inmitten all der Tränen und Trauer zogen sich die DFB-Frauen vor allem an einer Hoffnung hoch. Das Ende des Turniers soll erst der Anfang sein für den „jungen Haufen“ (Berger), der in der Schweiz so viele Rückschläge hatte wegstecken müssen. „Auf das Potenzial von jeder Einzelnen kann sich Deutschland freuen“, sagte Berger und kündigte überzeugt an: „Das wird noch viel, viel größer – auf jeden Fall.“ Auch Rebecca Knaak war sich sicher: „Da wächst etwas Großes zusammen.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spendete ebenso Trost wie Kanzler Friedrich Merz und Tausende Fans im Letzigrund. „Ihr habt dieses Turnier mit so viel Herzblut und fußballerischem Können gespielt“, sagte Steinmeier: „Ihr seid wahre Vorbilder.“

Die unglückliche Berger dürfte das nur wenig aufgemuntert haben. Die Torhüterin, die nach ihren Heldentaten gegen Frankreich gefeiert worden war, nahm den Gegentreffer auf ihre Kappe (siehe Text auf der nächsten Seite). Die Mitspielerinnen machten ihr keinen Vorwurf, auch Wück sprach sie frei von Schuld.

Mit Kritik an der deutschen Öffentlichkeit sparte der Bundestrainer dagegen nicht. „Ich habe vor Kurzem gelesen, dass der DFB meilenweit hinter den Topnationen stehe – und drei Tage später lese ich, dass ‚wir‘ im Halbfinale sind“, sagte Wück, von dem Bernd Neuendorf zu „100 Prozent“ überzeugt ist. Trotz des Ausscheidens habe mit diesem Turnier „vielleicht noch mal eine ganz neue Ära“ begonnen, sagte der DFB-Chef.

Für die Zukunft äußerte Wück allerdings einen klaren Wunsch. Es brauche „viel mehr“ Carlotta Wamsers (21) und Franziska Ketts (20). Man habe „eine Entwicklung angestoßen“, sagte er zwar, aber: „Wir müssen uns verbessern, vor allem im Nachwuchs.“ Verband und Vereine seien gefordert. Man müsse schauen, „die richtigen Schlüsse zu ziehen, um irgendwann eine Mannschaft zu haben, die solche Turniere gewinnen kann“.

Und was bleibt von dieser EM, dem ersten großen Turnier unter Wücks Führung? An das Drama gegen Frankreich werden sich viele noch Jahre erinnern, an ein Team, das von unbändigem Willen getrieben, aber nicht immer fußballerisch überzeugend war. Wück zeigte sich dennoch „stolz“, dass sein Team „so eine Euphorie entfacht“ habe, in der Heimat, wo am Mittwochabend 14,26 Millionen Menschen eingeschaltet hatten, und in den EM-Stadien. Nicht nur mit Blick auf die WM 2027 in Brasilien gehe es darum, darauf „aufzubauen“, möglichst schon Ende Oktober im Halbfinale der Nations League gegen Frankreich, sagte Wück: „Wir machen genau da weiter.“SID

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