ZUM TAGE

Ventoux-Rekord: Kann das mit rechten Dingen zugehen?

von Redaktion

Mont Ventoux

Auch wenn man nicht das Gefühl hatte, dass Jonas Vingegaard wirklich eine Chance hatte – es war ein mitreißendes Duell, das der Däne sich am Dienstag hinauf zum Mont Ventoux mit Tadej Pogacar lieferte. Immer wieder setzten beide kleine Attacken und ließen den Rest des Feldes um das deutsche Kletter-Ass Florian Lipowitz staunend zurück. Am Ende hatte – natürlich – der Slowene Pogacar die Nase vorne, aber immerhin musste selbst der Tour-de-France-Primus hier und da ordentlich schnaufen.

Während man den leidenden Heroen so zusah, hüpfte das Radsport-Herz vor Freude. Gleichzeitig schlich sich aber auch ein Gefühl der Skepsis bis hinauf ins Hirn. Spielt sich das alles noch im realistischen und damit sauberen Rahmen ab? Am Ende des Anstiegs auf den 1909 Meter hohen Gipfel stand eine Zeit, die aufhorchen ließ: 54:41 Minuten hatte Pogacar gebraucht, Vingegaard zwei Sekunden mehr. Beide unterboten die bisherige Bestmarke des Spaniers und später überführten EPO-Dopingsünders Iban Mayo (55:51) aus dem Jahr 2004 deutlichst. Eine Minute, das ist eine Ansage.

Eine Minute schneller als Mayo 2004

Die Radsport-Welt hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren freilich weitergedreht. Foodtrucks und physiologische, datenbasierte Volldurchleuchtung sind Standard. Der plumpe Teller Nudeln im Hotel? Ein Relikt der Vergangenheit! Heute bekommen die Stars im Ziel individuelle angepasste Essens- und Trinkpakete. Aber reicht das als Erklärung? Dass mit immer weiter optimierten Rahmenbedingungen und besserem Material neue Bestleistungen möglich sind, hat in den vergangenen Jahren unter anderem der Triathlonsport bewiesen. Aber die Ausgangssituation war dort deutlich amateurhafter. Lothar Leder zum Beispiel knackte 1996 als erster die 8-Stunden-Marke – ohne Uhr, ohne Wattmesser und auf einem Rad mit Stahlrahmen.

Genau wie bei Leder damals spielte auch bei Pogacar die Gesamtzeit – Mayo stellte sie sogar bei einem Bergzeitfahren auf – gar keine Rolle. Mehr noch. Der amtierende Weltmeister war nicht einmal richtig fit. Halsschmerzen und eine leicht verstopfte Nase plagen den 26-Jährigen seit ein paar Tagen. Immerhin war der Ventoux auch für „Pogi“ kein Spaziergang: „Es gab Momente, in denen ich zu kämpfen hatte.“

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