Der Hass am Beckenrand

von Redaktion

Köhler startet als Weltmeisterin – und fürchtet Anfeindungen

Absprung ins Ungewisse: Angelina Köhler. © IMAGO

Singapur – Das Rennen ihres Lebens ist Angelina Köhler noch „sehr präsent“. Tränen der Freude hatte die Berlinerin nach ihrem emotionalen Gold-Coup von Doha im vergangenen Jahr vergossen, konnte es selbst kaum fassen. „Von dem einen auf den anderen Tag ist man Weltmeisterin“, sagte sie. Der Titel „bleibt für immer. Das kann mir niemand mehr wegnehmen“ – dennoch will die 24-Jährige bei der Schwimm-WM in Singapur nun nachlegen.

„Ich will auf jeden Fall versuchen, wieder um die Medaillen mitzuschwimmen“, meinte Köhler. Gleich zum Auftakt der Beckenwettbewerbe geht die Titelverteidigerin am Sonntag (ab 4.00 Uhr MESZ) auf ihrer Paradestrecke 100 m Schmetterling an den Start und zählt in einem möglichen Finale am Montag wieder zu den Anwärterinnen auf das Podium.

Doch neben all den Ambitionen schwimmen bei Köhler auch Bedenken mit. „Natürlich mache ich mir Sorgen, dass ich dort ausgebuht werde. In Singapur werden viele chinesische Zuschauer sein“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Der Grund für Köhlers Befürchtungen sind ihre Äußerungen im vergangenen Jahr in Paris, nachdem sie hauchdünn an der Olympia-Bronzemedaille vorbeigeschrammt war. Diese ging an die umstrittene Chinesin Zhang Yufei, die auch für Singapur gemeldet ist. Köhler hatte damals unter anderem von einem „miesen Beigeschmack“ gesprochen. Denn Yufei gehörte zu den 23 Schwimmerinnen und Schwimmern, die in China Anfang 2021 positiv auf das Herzmittel Trimetazidin getestet, aber nicht gesperrt worden waren.

Auf Köhlers Kritik folgten zahlreiche Hassnachrichten durch chinesische Bots. Das sei „schon traumatisch“, gewesen, berichtete Köhler. Sie sei auf den Sozialen Netzwerken „komplett bombardiert“ worden – „und da war alles dabei. Nazibilder, Hitlergrüße. Sie schrieben, ich sei ein Nazi, ich sei rassistisch, ich sei ein gedoptes Schwein. Also richtig ekliges Zeug“.

Das alles habe Spuren hinterlassen, berichtete Köhler. Ihre Social-Media-Aktivitäten hat sie zurückgefahren. Ihre Trinkflasche nehme sie beispielsweise nicht mehr mit. Zu groß die Angst, dass ihr jemand „Böses will, mir was dort reintut und ich dann des Dopings überführt werde“, erklärte sie.SID

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