„Die Wellen treiben mich an“

von Redaktion

Surf-Legende Hamilton (61) über das Alter, das Wasser und den Eisbach

Fast wie fliegen: Hamilton reitet auf einem Foil – eine Art Tragfläche unter dem Bord. © Imago

Viel Gesprächsstoff: Hamilton mit Reporterin Hanna Raif.

Leben mit den Naturgewalten: Hamilton ist einer der Pioniere des Surfens auf der Riesenwelle. Das hat bei ihm auch einige Spuren hinterlassen.

München – Er ist eine Legende unter den Big-Wave-Surfern. Laird Hamiltons Fähigkeiten brachten ihm unter anderem Stand-Auftritte bei James Bond ein. Und der 61-Jährige hat auch eine feste Verbindung nach München – als Patient von Promi-Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Mit unserer Zeitung sprach Hamilton über sein Leben auf der Welle.

Herr Hamilton, Sie waren zuletzt zu Gast in München – auch auf der Welle?

An der Welle – aber nicht drauf. Ich liebe es, dort zuzusehen, aber ich war noch nie drauf und habe es auch nicht vor. Mich persönlich reizt einfach der Ozean mehr. Aber ich war schon auf vielen großen Flüssen und habe auch Gefahrensituationen erlebt. Auf dem Grund eines großen Wasserfalls zum Beispiel. Und in vielen anderen Strömungen.

Kelly Slater war mal drauf – und tat sich schwer.

Wenn man etwas Neues macht, brauchst Du Zeit. Wenn Kelly Slater zwei Wochen auf der Münchner Welle üben würde, würde er dort Dinge tun, die noch nie jemand gemacht hat. Da geht es um Übung, wie überall im Leben. Die Welle ist anders als Wellen im Meer. Sie kommt nicht durch Energie im Wasser zustande, sondern durch eine bestimmte Form, durch die sich das Wasser bewegt. Da müssen auch die Besten sich erst drauf einstellen.

Sie surfen seit 50 Jahren. Was sagt Ihr Körper?

Er lässt mich das jeden Tag spüren, ich nenne es gerne den fortschreitenden Wahnsinn (lacht). Genau deshalb war ich in München, um mich in der Praxis von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln zu lassen. Im Spaß sage ich immer: Es ist alles kaputt. Ich bin von so vielen Klippen gesprungen in meinem Leben, das geht nicht spurlos an einem vorüber. Inzwischen kann ich mit Schmerz sehr gut umgehen. Denn ich möchte weitermachen – und zwar auf hohem Niveau. Deshalb kommt nach der Reha immer die nächste Mission. Und es gibt noch viele.

Was ist Ihr Geheimnis, noch besser zu werden?

Es geht um den Lifestyle. Alles passiert im Kopf. Was interessiert dich? Wofür willst Du Zeit investieren? Wo kannst Du noch besser werden? Wer in deinem Umfeld inspiriert dich? Dazu die frische Luft, der Sauerstoff, das viele Wasser, gute Ernährung, Fitnesstraining, das wir speziell auf unsere Gesundheit, unsere Körper, unsere Bedürfnisse abgestimmt haben.

Klingt nach viel Disziplin.

Ich vergleiche die große Ganze immer mit einem Reifen. Wenn man alle Speichen sieht, denkt man: keine ist wichtiger als die andere. Aber wenn eine fehlt, rollt der Reifen nicht mehr richtig. Jeder sucht immer die Zauber-Pille – aber die gibt es nicht. Ich denke da genauso wie Müller-Wohlfahrt.

Wie genau?

Das Geheimnis ist Bewegung. Keep on moving (beweg dich weiter)! Ein rollender Stein setzt kein Moos an. Und wenn man eine Mission hat, geht das wie von selbst. Müller-Wohlfahrt hat sie in seiner Praxis, er will den Menschen helfen – jeden Tag, so vielen wie möglich. Und meine Mission ist das Wasser. Ich bin auf den Planeten gekommen, um zu surfen.

Was ist das nächste Ziel?

Ich habe viel im Kopf. Wir sind die größten Wellen der Welt geritten – es hat mich angetrieben, immer größere Wellen zu finden und zu lernen, sie zu verstehen. Inzwischen geht es vor allem um längere Wellen. Größer, länger, schneller: Nach diesen Gesichtspunkten suchen wir die Spots ab. Wir machen alles mit der Hydrofoil-Technologie. Sie hat die Wassersport-Welt verändert – und die Möglichkeiten für uns exponentiell steigen lassen. Inzwischen kann man auf riesengroßen, aber auch ganz kleinen Wellen reiten.

Auch Sie lernen nie aus?

Niemals. Ich möchte so viele Dinge wie möglich erleben, die uns die Ozeane bieten. Nirgendwo anders gibt es so viele Herausforderungen wie im Wasser. Das schöne ist: Damit ist man nie fertig – und manche Dinge bleiben Illusionen.

Ist das nicht frustrierend?

Im Gegenteil. Wenn ich sage: „Ich besteige den Mount Everest und danach lege ich mich auf die Couch“, habe ich doch alles falsch gemacht. Weitermachen, neue Ziele setzen, Dinge ausprobieren: das hält jung und inspiriert. Und gerade die großen Ziele, die vielleicht nicht zu erreichen sind, spornen einen im Leben doch an. Wenn ich in einer Disziplin bin, sie mitentwickelt habe und sie populär wird, ist meist der Punkt, an dem ich mir etwas Neues suche. Wenn man mit einem offenen Geist durchs Leben geht, kommt immer etwas Neues. Bis jetzt war es so (lacht).

INTERVIEW: HANNA RAIF

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