Zusammenhalt: Danhof, Kapitän Verlaat und Volland haben Spaß, der Spirit im Team stimmt. © Sampics
Traumtor: In Höhe der Mittellinie zieht Kevin Volland einfach mal ab, trifft sensationell zur Löwen-Führung bei Jahn Regensburg. © Sampics / Stefan Matzke
Regensburg – Kleine Zeitreise: Es ist Sommer 2024, die Löwen stehen kurz vor dem Saisonstart in die 3. Liga. 1860 präsentiert sich seit Wochen ideen- und torlos. Geschäftsführer Christian Werner und Coach Argirios Giannikis fühlen sich von der Presse nicht fair behandelt, verteidigen ihre Mannschaft öffentlich. Heute, ein Jahr später, ist die Lage eine andere. Nach der 4:0-Gala – Tore: 2x Kevin Volland, Jesper Verlaat und Soichiro Kozuki – bei Jahn Regensburg im letzten Test vor dem Ligastart in Essen (Freitag, 19 Uhr) mahnte Werner gegenüber den Reportern zur Vorsicht: „Ich muss jetzt hier wieder die Spaßbremse sein. Wir müssen dieses Spiel heute richtig einordnen.“ Unsere Zeitung erklärt die erstaunliche Frühform der Löwen ein:
■ Beton-Defensive
„Wir werden sehen, wie gut wir das System mit der Dreierkette umsetzen“, betonte Trainer Patrick Glöckner noch leicht skeptisch zu Beginn der Vorbereitung. Fünf Wochen später lässt sich bilanzieren: Die neue Abwehrformation – in der Jesper Verlaat, Simon Voet und Sean Dulic gesetzt sind – steht enorm sicher, in neun Testspielen kassierten die Sechzger gerade einmal einen Treffer. „Unsere defensive Kompromisslosigkeit ist einfach die Basis“, zeigt sich Glöckner zufrieden mit seiner Beton-Defensive.
■ Individuelle Extraklasse
30 Minuten lang erlebte Kevin Volland einen durchwachsenen Nachmittag in Regensburg, hatte einige unglückliche Situationen mit dem Ball. Dann aber zeigte der Ex-Nationalspieler, wie viel Gefühl in seinem linken Fuß steckt. Schuss von der Mittellinie über den verdutzten Jahn-Keeper Felix Gebhardt hinweg ins Tor – das 1:0 für 1860. Kurz vor der Pause traf Volland erneut, eine gehörige Portion Selbstvertrauen rechtzeitig zum Saisonstart. Doch nicht nur die beiden Tore begeisterten Werner: „Ich habe mich für Kevin total gefreut, weil er so viel gegen den Ball gearbeitet hat. Seine Grätschen waren super, das ist Sechzig.“
■ Spürbarer Teamgeist
Eine Position in Glöckners Startelf überraschte: Tunay Deniz ersetzte Sechser Max Christiansen, verdrängte den Neulöwen auf die Bank. Nach seiner starken Leistung dürfte Deniz seinen Platz auch in Essen sicher haben. Bitter für Christiansen, der die Nase bis zuletzt vorne hatte. Nach dem Aufwärmen in Regensburg folgte eine Szene, die für guten Teamgeist steht. Als Deniz zur Kabine lief, wurde er von Christiansen abgefangen und abgeklatscht, erhielt eine Sondermotivation. Glöckner: „Wir leben von unserem Teamgedanken, jeder gönnt es jedem.“ Zugleich mahnte er: „Diese Gemeinschaft müssen wir unbedingt pflegen, das wird das Wichtigste.“
■ Starke Ersatzbank
Erstmals nach 72 Minuten wechselte Glöckner, brachte Patrick Hobsch, David Philipp und Morris Schröter für Volland, Florian Niederlechner und Tim Danhof. Ein Bruch im Spiel war danach nicht zu erkennen – im Gegenteil. Besonders Philipp wirbelte die Jahn-Defensive durcheinander, lieferte die sehenswerte Vorlage zum 4:0 von Soichiro Kozuki – ebenfalls ein Joker. „Die Breite des Kaders ist ein Vorteil von uns. Ein Riesenlob an David Philipp. In dieser Form gehört er zu den besten Spielern der 3. Liga“, schwärmte Werner.
■ Gewarnt vor Essen
Auch Sechzigs Auftaktgegner Essen geht gestärkt in die Saison, gewann eines von zwei Testspielen gegen Bundesligist Augsburg mit 2:1 – vor den Augen von Glöckner und Werner. Der Coach unterstreicht: „Sie sind individuell super aufgestellt, ein absoluter Aufstiegsfavorit.“ Werner fügt hinzu: „Das wird eine Mammutaufgabe!“ Gilt allerdings für beide Teams.MARCO BLANCO UCLES