Emotionaler Kredit: Red-Bull-Pilot Verstappen. © AFP
Spa – Die Würfel sind gefallen. Am Ende siegte bei Max Verstappen das Herz im Kampf mit dem Verstand. Unsere Zeitung erfuhr: Der Ausnahmepilot der Königsklasse wird 2026 bei Red Bull bleiben und nicht zu Mercedes wechseln. Der Niederländer gibt den Österreichern nochmal eine Chance.
Hintergrund: Er will Red Bull noch ein weiteres Jahr den „Vertrauenskredit“ zurückzahlen, den der Rennstall ihm 2015 als damals 17-jährigem Jungspund mit dem Einstieg in die Königsklasse gegeben hat.. Dazu kommt: Nach dem Rausschmiss von Teamchef Christian Horner vor knapp zwei Wochen will der Niederländer nicht der sein, der das Team beim Neuaufbau im Stich lässt.
Klar ist auch: Die Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit. Für Red Bull ist Verstappen mehr als nur ein Fahrer. Er ist das Herzstück des Teams. Das hat Neu-Teamchef Teamchef Laurent Mekies am Rande des GP Belgien unmissverständlich klar gemacht. Der Franzose: „Max ist zentral für alles, was wir tun. Wir brauchen seine Magie auf der Rennstrecke.“
Die Aussage macht deutlich: Red Bull bekennt sich nach der Entlassung von Ex-Teamchef Christian Horner zu Verstappen als Mittelpunkt der Mannschaft. „Das ganze Unternehmen arbeitet mit einem Ziel: Max wieder ein siegfähiges Auto zu geben. Alles andere ist dann nur eine Folge davon“, betont Mekies.
Verstappen hat in der laufenden Saison bislang 165 von 172 Konstrukteurs-Punkten eingefahren. Sein aktueller Teamkollege Yuki Tsunoda und zuvor Liam Lawson tun sich mit dem zickigen RB21 deutlich schwerer. Verstappen kompensiert fahrerisch viele Schwächen des Autos. Eine ähnliche Überlegenheit gab es zuletzt 1994 bei Benetton. Damals dominierte Michael Schumacher in ähnlicher Weise seine Teamkollegen.
Das ist auch Ex-Weltmeistern wie Jenson Button nicht entgangen. „Wenn so viele Fahrer im gleichen Auto so weit hinter ihm liegen, zeigt das, wie besonders er ist“, so der Brite. Verstappen mache mit einem „schwierigen Auto Unglaubliches“. Allein: Ein Durchschnittsauto reicht gegen den Vorsprung durch Technik, den McLaren in dieser Saison hat, in dieser Saison nicht mehr.
In Spa liefen die Spekulationen über einen möglichen Wechsel Verstappens zu Mercedes auch deshalb noch heiß. Für Mekies immer noch ein Warnsignal. Genau deshalb macht Red Bull Verstappen zu dem Projekt. Mekies: „Wenn wir ihm ein schnelles Auto liefern, spielen alle anderen Überlegungen keine Rolle mehr. Der Fokus liegt darauf, gemeinsam mit Max den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Wir wollen, dass die Entscheidung für ihn einfach wird.“
Diese Loyalitätsbekundungen sind bei Verstappen auf fruchtbaren Boden gestoßen. Der Niederländer will zusammen mit Red Bull 2026 zurück auf die Überholspur – und riskiert dabei sogar, dass er nächste Saison möglicherweise wieder hinterherfährt, weil es dann ein völlig neues Motor- und Chassis-Reglement gibt.
Allein: Ende 2026 hat er dann den emotionalen Kredit zurückgezahlt, dem er sich im Moment noch bei Red Bull und besonders seinem Mentor Helmut Marko verpflichtet fühlt. Ab 2027 werden die Karten neu gemischt. RALF BACH