Lipowitz‘ große Paris-Party

von Redaktion

Tour-Held feiert Podestplatz – Red-Bull-Chef Denk träumt vom Gesamtsieg

Tour-Sieger Pogacar (re.) spricht in den höchsten Tönen von Lipowitz. © Instagram

Flos Fanclub: Lipowitz mit Ex-Sprinter Rick Zabel (li.) und Fotograf Paul Ripke. © Instagram

Rutschige Ehrenrunden: Auf der finalen Etappe in Paris mussten Lipowitz und Co. nassem Kopfsteinpflaster – wie hier am Acr de Triomphe – trotzen. © IMAGO/Williams

Paris – Unzählige Umarmungen, Selfies und Autogramme – die improvisierte Party am Red-Bull-Teambus in Sichtweite des Arc de Triomphe verlangte Florian Lipowitz noch einmal alle Kräfte ab. Nach über drei Wochen Strapazen auf den Straßen Frankreichs erfüllte Deutschlands neuer Radstar seinen Freunden und Fans jeden Wunsch mit einem Lächeln. Die Fete inklusive Pizza, Bier und einem DJ in einer Seitenstraße der prachtvollen Champs-Élysées war für den Dritten der Tour de France der Auftakt für eine lange Nacht in Paris.

Bevor der Party-Marathon in der Stadt der Liebe mit einem großen Fest auf einem Schiff in der Seine weiterging, gönnte sich der 24-jährige Schwabe auch einen ruhigen Moment. Hand in Hand schlenderte er mit seiner Freundin Antonia und einigen Familienmitgliedern und Freunden erst einmal in Richtung Triumphbogen.

„Ich brauche mit Sicherheit noch ein, zwei Tage, um zu begreifen, was da in den letzte drei Wochen alles passiert ist“, gestand Lipowitz. „Das war immer mein Traum. Ich habe nie gedacht, dass er Wirklichkeit wird. Dass ich bei meiner ersten Tour gleich auf das Podium gefahren bin, ist etwas ganz Besonderes.“

Wie hoch diese Leistung einzuschätzen ist, zeigte auch die schnelle Gratulation des Bundeskanzlers: „Ein deutscher Sensationserfolg bei der Tour de France: Glückwunsch, Florian Lipowitz, zu einem grandiosen dritten Platz!“, schrieb Friedrich Merz auf X.

Lipowitz ist nach seinem Coup in der Grande Nation endgültig in der Weltspitze angekommen. Nur die beiden Ausnahmefahrer, der nun viermalige Tour-Champion Tadej Pogacar und dessen Dauerrivale Jonas Vingegaard, waren nach 21 Etappen schneller als der ehemalige Biathlet und Radsport-Quereinsteiger aus Laichingen. „Pogi und Jonas sind aber noch auf einem anderen Level“, gestand der Debütant ein.

Wie lange der Tour-Dominator aus Slowenien weiter einen scheinbar unstillbaren Appetit auf Titel verspürt, ist nicht absehbar. „Die Olympischen Spiele in Los Angeles sind eines meiner Ziele, die in drei Jahren stattfinden. Danach werde ich vielleicht über einen Rücktritt nachdenken, wir werden sehen“, sagte der 26 Jahre alte Pogacar der französischen Sportzeitung L‘Equipe.

Lipowitz‘ Entdecker Ralph Denk würde nur allzu gerne mit seinem Schützling einmal die Tour gewinnen: „Träumen darf man ja.“ Der dritte Platz bei der Frankreich-Rundfahrt ist für den Red-Bull-Teamchef „ein Meilenstein“. „Wir haben den Giro, die Vuelta und Weltmeisterschaften gewonnen, aber wir waren hier noch nie auf dem Podium“, sagte Denk. „Es ist die Kirsche auf der Torte, dass du das mit einem Fahrer erreichst, der bei dir Berufsfahrer geworden ist.“ Das seien „emotional andere Siege“, als die von Ex-Weltmeister Peter Sagan, für die man „viel Geld bezahlt“ habe.

Lipowitz selbst „will den Moment genießen“ und nicht zu sehr an die Zukunft denken. Auf die anhaltenden Wechsel-Spekulationen um Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel zu Red Bull reagierte er gelassen. „Bis jetzt sind das alles nur Gerüchte“, sagte der 24-Jährige. Der belgische Zeitfahr-Weltmeister könnte dem jungen Schwaben die Führungsrolle streitig machen. „Wenn er tatsächlich kommen sollte, wäre auch ich glücklich. Wir könnten dann etwas Großartiges zusammen erreichen“, sagte Lipowitz, der sich jetzt auf seine Pause freut.

Den Montag wollte er mit seiner Freundin noch in Paris verbringen und durch die Stadt bummeln – ganz auf die französische Art: mit einem Croissant und einem Café au Lait.DPA

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