Neue Spitzen für den Eishockey-Bund

von Redaktion

DEB wird nun hauptamtlich geführt – Akademie und 3×3 im Käfig

Doppelspitze in München-Obermenzing: Frank Lutz (l.) fängt am 1. August an, Christian Künast arbeitet schon lange beim DEB. © DEB

München – Bis jetzt, sagt Peter Merten, sei das immer recht aufwendig gewesen, wenn der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) ein Geschäft tätigte, für das er zum Notar musste. „Zwei Leute aus dem Vorstand mussten nach München kommen“, und bis auf ihn, der sein Berufsleben bereits abgeschlossen hat, waren die Präsidiumskollegen noch anderweitig eingespannt. Hauke Hasselbring bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven, Marc Hindelang beim Fußballclub Eintracht Frankfurt, und Andreas Niederberger betrieb als Selbständiger zwei Firmen. Alles nicht so leicht – doch das wird nun anders. Der Verband, der das deutsche Eishockey in Teilen managt (Nationalmannschaften, Oberligen), hat seine Struktur geändert. Zum 1. August greift die Umwandlung richtig, denn dann fängt Frank Lutz in der Zentrale in München-Obermenzing an. Er wird Vorstandsvorsitzender des DEB, der neue starke Mann sozusagen – neben dem bisherigen Sportdirektor Christian Künast. Bis vor Kurzem kannten die beiden sich noch gar nicht.

„Handballer und Volleyballer machen das so, das ist jetzt der Trend“, sagt Peter Merten. Er war der letzte Präsident der DEB-Geschichte, er führt nun den ehrenamtlichen Aufsichtsrat an (dem die früheren Vizepräsidenten Niederberger und Hindelang nicht mehr angehören). Die Ernennung des früheren Torwarts Künast (54) zum sportlich Verantwortlichen lag nahe, „Frank Lutz haben wir unter 50 Bewerbern ausgewählt“, so Merten. Für den Job im Eishockey kündigte Lutz (56) seine Stelle als CEO bei einem Fintech-Unternehmen, bei dem er allerdings auch Gesellschafter ist. In seinem Lebenslauf stehen als Arbeitgeber Goldman Sachs, die Deutsche Bank, MAN, Aldi Süd, Bayer. Beim Leverkusener Konzern hatte er mit der Ausgliederung der Covestro AG zu tun. Die war vier Jahre lang Hauptsponsor der Deutschen Eishockey Liga, MAN Nutzfahrzeuge unter dem damaligen Finanzvorstand Lutz zudem Werbepartner des EHC München (vor dem Red-Bull-Einstieg 2013) – daher der Bezug zur Sportart. Plus: Lutz hat drei Söhne, die Eishockey spielen, alle im Tor.

An der Spitze des DEB stehen fortan Hauptamtliche, Finanz-Fachmann Lutz soll den Verband, der kein begüterter ist, wirtschaftlich nach vorne bringen. Keine leichte Aufgabe in Deutschland, wo dem Wachstum des Eishockeys durch den Mangel an Eisflächen – derzeit 220, Tendenz rückläufig, da veraltete Anlagen schließen – Grenzen gesetzt sind. Doch der DEB hat Ideen: Peter Merten, der bei vielen Olympischen Spielen war, beginnend 1972 in München als Teiilnehmer am Jugendlager, orientiert sich am Aufstieg des 3×3-Basketballs und hält die Drei-gegen-drei-Form auch im Eishockey für zukunftstauglich. Seine Vision: Mit 3×3-Eishockey auf einer transportablen Fläche in die Innenstädte gehen, „am besten mit Käfig und Musik von AC/DC“.

Was der DEB bereits vor dem Amtsantritt von Frank Lutz getan hat: Er hat in aller Stille – verglichen mit dem Getöse, das die Fußballer vom DFB jahrelang in dieser Causa veranstalteten – eine Akademie gegründet. Nicht an einem festen Ort, sondern sozusagen als Wanderzirkus. Trainer- und Managerausbildung, hier gibt es Potenzial. Künast: „Ein Camp, das wir in Dresden angeboten haben, war in zwei Stunden ausgebucht.“ Merten: „Mit der Akademie wollen wir Geld verdienen.“

Die vergangenen Jahre war die Verbandsarbeit getragen vom Konzept „Powerplay26“, das Mertens Vorgänger Franz Reindl, als er 2014 Präsident wurde, aufgelegt hatte. Die vorhandenen Mittel wurden in den Sport investiert, Olympia-Silber 2018 und die Vizeweltmeisterschaft 2023 waren die Erfolge. Die Zeit nach dem Powerplay26 beginnt mit der Heim-Weltmeisterschaft 2027.GÜNTER KLEIN

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