Der Sommer vor zwei Jahren war besser – zumindest sagt das jeder, der sich aktuell im herbstlich anmutenden Süden befindet. Sonne statt Regen, grinsende Gesichter statt hängender Mundwinkel, und trotzdem hat man in den höheren Etagen an der Säbener Straße zuletzt Parallelen zum Juli 2023 festgestellt. Der Poker um Luis Diaz, so wurde gerne gesagt, erinnert in vielerlei Hinsicht an jenen, der damals um Harry Kane entfacht war. In der Tat, die Bayern-Bosse mussten clever agieren und cool bleiben, um zu bekommen, was sie wollten: einen vergleichsweise alten Spieler (Diaz: 28/Kane damals: 30) für vergleichsweise viel Geld (70 Mio. Euro/100 Mio. Euro). Verbunden mit der Frage, ob das ein guter oder ein schlechter Deal war.
Man kann sie jetzt schon debattieren – viel Sinn aber hat das nicht. Denn vor dem ersten Ballkontakt, dem ersten Pflichtspiel, der ersten Crunchtime einer Saison vermag niemand zu sagen, wie viel ein Spieler in einem Mannschaftsgefüge wert sein kann. Es kann gut laufen – wie bei Kane, der eine dringend zu stopfende Lücke ausfüllte und meist verlässlich liefert. Aber es kann genauso gut daneben gehen – wie etwa bei Sadio Mané, der im Bayern-Trikot gar nicht funktionierte. Der Transfermarkt ist nicht frei von Risiko, und ja, die Bayern sind im Fall Diaz mit Blick auf Alter, Preis und Marktwert fast „all in“ gegangen. Und trotzdem war der Kauf in der Situation, in der man sich zur Halbzeit der aktuellen Transferperiode befindet, richtig.
Es ist kein Geheimnis, dass Max Eberl und Co. sich das Ganze eigentlich anders vorgestellt hätten. Wäre Florian Wirtz gekommen, hätte früh Ruhe geherrscht; auch Jamie Gittens und Nico Williams hätten früher Planungssicherheit bringen können. Je mehr Zeit verstrich, je mehr die Konkurrenz aufrüstete, desto größer wurde der Handlungsdruck beim deutschen Rekordmeister. Dass Not auch die Preise treibt, ist nur logisch, Fußballclubs sind halt auch Wirtschaftsunternehmen. Nun ist ein erster, wenn nicht ganz billiger Fakt geschaffen. Das bringt intern und extern zumindest etwas mehr Ruhe.
Diaz soll und muss Einiges kompensieren. Die Weggänge von Leroy Sané und Thomas Müller, die lange Verletzung von Jamal Musiala: Man ahnt, dass das viel ist für gerade mal zwei Schultern (oder: zwei Beine). Will man heuer um größere Titel spielen, ist dieser Kader noch nicht fertig. Aber auch wenn es sich anders anfühlt: es ist ja erst Juli – und noch gar nicht Herbst.