Laura Dahlmeier und ihr Team bei der Ankunft in Pakistan vor einigen Wochen.
Die Berge – ihr zu Hause. © Instagram
Laura Dahlmeier (li.) und auf ihrer Reise nach Pakistan. © Instagram
Unglücksort: Der 6069 Meter hohe Laila Peak liegt in den Masherbrum-Bergen, einer Kette des Karakorum.
München/Garmisch-Partenkirchen – Pakistan schwirrte schon lange als Expeditionsziel im Kopf von Laura Dahlmeier herum. Vor ein paar Wochen machte sich die 31-Jährige deshalb auf den Weg nach Südasien, um den 6069 Meter hohen Laila Peak zu erklimmen. Am Montagmittag verunglückte die ehemalige Biathletin beim Aufstieg auf 5700 Meter schwer. Schuld war plötzlich einsetzender Steinschlag – ein alpines Phänomen, das Bergsteiger trotz noch so perfekter Planung immer ereilen kann.
„Die Seilpartnerin setzte sofort einen Notruf ab, der Rettungseinsatz wurde umgehend eingeleitet. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Gebiets konnte ein Rettungshubschrauber die Unfallstelle erst am Morgen des 29. Juli erreichen“, teilte das Management der Garmisch-Partenkirchenerin mit. Beim Überflug wurde allerdings festgestellt, dass die erfahrene Bergsteigerin mindestens schwerst verletzt ist. Lebenszeichen waren nicht zu erkennen.
Der Laila Peak liegt ziemlich abgelegen im Herzen des Zentralkarakorums – das nächste Dorf Hushe ist etwa zwei Tage Fußmarsch entfernt. Ein internationales Bergrettungsteam koordiniert die Bergung, unterstützt von erfahrenen internationalen Bergsteigern und Bergsteigerinnen, die sich in der Region aufhalten. Während sich ihre Seilpartnerin Marina K. mittlerweile auf dem Abstieg befindet, wurde die Suche nach der vermissten Dahlmeier nach Angaben eines pakistanischen Behördensprechers am Dienstagabend eingestellt. Grund sei die hereingebrochene Dunkelheit, wie ein Sprecher der Tourismusbehörde vor Ort mitteilte. Die Suche werde am Mittwochmorgen weitergehen. Laut „Bild“ ist auch Kletter-Star Thomas Huber an der Rettungsaktion beteiligt.
Zahlreiche Sportler drückten bereits ihre Unterstützung aus. „Auf einmal steht die Zeit still. Wir alle denken an dich Laura“, schrieb Rodler Felix Loch. Besonders tragisch: Dahlmeiers Ex-Freund Robert Grasegger starb Anfang Januar 2022 mit nur 29 Jahren bei einem Lawinenunglück in Patagonien. „Wenn wieder ein schlimmer Unfall ist und es passiert was im direkten Umfeld, dann stellt man sich auch wieder die Frage: ‚Puh, wie macht man denn jetzt weiter“, sagte Dahlmeier dazu in einer Dokumentation.
Und dennoch: Die Berge sind seit jeher ihr Sehnsuchtsort. Selbst zur aktiven Biathlon-Zeit unternahm die ausgebildete Berg- und Skiführerin immer wieder Touren. Nach ihrem Rücktritt im Mai 2019 widmete sich die Olympiasiegerin voll ihrer Leidenschaft.
Erst im vergangenen November bestieg sie den Himalaya-Gipfel Ama Dablam (6814 Meter) in Nepal und stellte zufällig eine Bestzeit auf. „Ich hab‘ nur gedacht: Ich probier‘s einfach mal allein.“ Acht Stunden und 24 Minuten später stand sie am Gipfel – ohne zu wissen, was sie geleistet hatte.
Wie in der Loipe waren Rekorde nicht Dahlmeiers Antrieb. „Es braucht keine Acht davorzustehen. Mich reizen einfach schöne, beeindruckende Berge“, erklärte sie unserer Zeitung im Februar. Dazu gehört auch der Laila Peak. Landschaftlich gilt er mit seiner speerspitzenähnliche Form als einer der schönsten Berge der Welt. MATHIAS MÜLLER