Löst er einen Hype aus? FCB-Zugang Luis Diaz. © IMAGO
Da ist er: Diaz posiert für ein Ankunftsfoto. © FCB
München – Nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ gestaltete der FC Bayern die Reiseplanung von Luis Diaz – und packten den kolumbianischen Neu-Bayer in den Nachtflug NH217 von Tokio nach München. Um 6.35 Uhr am Dienstag-Morgen hatte der 28-Jährige dann bayerischen Boden unter den Füßen. Es folgte das altbekannte Prozedere für Neuzugänge: kurzes Posieren für den Club-Fotografen am Abhol-Audi, Teil eins des Medizinchecks im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder (internistische Untersuchung), Teil zwei des Medizinchecks an der Säbener Straße (Leistungsdiagnostik) und anschließende Vertragsunterschrift in der Vorstandsetage.
Die Rahmendaten des Diaz-Transfers sickerten in den vergangenen Tagen bereits durch: Für den Linksaußen überweißen die Münchner dem FC Liverpool eine Fixablöse in Höhe von 67,5 Millionen Euro, die mit Bonuszahlungen auf 75 Millionen Euro ansteigen kann. Das geschätzte Brutto-Jahresgehalt soll dem Vernehmen nach 14 Millionen Euro betragen – bei einer Laufzeit von vier Jahren.
Zweifelsohne viel Geld, dass das Gesamtpaket den deutschen Rekordmeister kostet. Das sieht auch Sky-Experte Didi Hamann so, der folgende Kosten-Nutzen-Abwägung aufstellt: „Diaz ist ein sehr guter Spieler, aber nicht günstig. Er hat Herz, Mentalität, Tempo – und ist ein Kämpfer, der die Bayern vom ersten Tag besser machen wird. Und er ist ein Spieler, den die Fans lieben werden.“
Für Hamann ist Diaz von den gehandelten Kanidaten „einer der liebsten“. Zur Erinnerung: Nach dem gescheiterten Königstransfer von Florian Wirtz, den es bekanntlich nach Liverpool zog, mussten Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund umplanen – und landeten nach Absagen von Nico Williams (verlängerte in Bilbao), Bradley Barcola (blieb in Paris) und Jamie Gittens (wechselte zu Chelsea) beim Kolumbianer. „Wenn du oben mitspielen willst, ist Verlässlichkeit einer der wichtigsten Punkte. Und das hattest du bei Leroy Sané leider nicht – bei Diaz wirst du es bekommen!“
Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus stellte in diesem Zusammenhang einen interessanten Vergleich auf. „Bayerns Suche nach einem Linksaußen ähnelte der Trainersuche vor einem Jahr. Wenn sie mit Diaz am Ende genauso viel Glück haben wie mit Vincent Kompany, können sie froh sein, dass die Namen, die vorher vom Verein kontaktiert wurden, sich nicht für einen Wechsel nach München entschieden haben“, schrieb er in seiner Sky-Kolumne.
Trotz aller Vorfreude auf Diaz hinterfragt Hamann den Deal vor allem aus gehaltstechnischer Sicht: Laut dem ehemaligen Bayern- und Liverpool-Profi hätte der Offensivspieler bei den Reds lediglich sieben Millionen Euro brutto verdient. „Da kann man darüber streiten, warum man ihm jetzt 14 Millionen gibt?“
Von der Argumentation, die Bayern hätten Liverpool mit dem Diaz-Deal die Hälfte des Wirtz-Transfers (150 Millionen Ablöse) refinanziert, müsse man sich laut Hamann frei machen: „Da geht es um das Wohl des Vereins. Wenn man der Meinung ist, dass das Geld in Diaz gut angelegt ist – dann darf so etwas keine Rolle spielen!“M. BONKE, H. RAIF