Eilen von Sieg zu Sieg: Am Sonntag besiegten die Munich Ravens die Wroclaw Panthers. © IMAGO
München – Kurz vor Spielbeginn öffnete der Himmel seine Pforten. In dicken Tropfen ergoss sich der Regen über Unterhaching. Abseits des Rasens war das Gewitter schon 48 Stunden zuvor losgebrochen. Ligaboss Patrick Esume hatte am Freitag seinen Rücktritt bekanntgegeben und die kriselnde European League of Football damit endgültig ins Chaos gestürzt. „Unüberbrückbare Differenzen bzgl. der Führung und finanziellen Gestaltung der ELF mit deren Geschäftsführer Zeljko Karajica“ seien der Grund für sein Ausscheiden, ließ der RTL-NFL-Experte über seine Anwaltskanzlei verlauten. Es wird noch eine Weile unklar bleiben, was genau dieses Beben für die Münchner Footballer bedeutet. Auf dem Platz ließen sie sich jedoch nichts anmerken und gewannen gegen die Wroclaw Panthers souverän mit 34:14.
Die Ravens, die sich im Rahmen der Partie nicht zur Causa Esume äußerten, starteten besser und führten nach dem ersten Viertel mit 7:0. In der Folge entwickelte sich auf dem rutschigen Rasen ein Abnutzungskampf, bei dem vor allem die Defensiven überzeugen konnten. Nach jeweils einem weiteren Touchdown auf beiden Seiten ging es mit 14:6 in die Pause. Ein Spielstand, mit dem der Ravens-Cheftrainer sichtlich unzufrieden war: „Wir müssen effizienter und disziplinierter sein. Es ist wichtig, dass wir uns daran halten, was wir vor dem Spiel besprochen haben“, so Kendral Ellison auf dem Weg in die Kabine.
Trotz Regen und wenig Spektakel waren die 4191 Zuschauer im Sportpark bester Laune und wurden in der Halbzeit mit vereinzelten Sonnenstrahlen sowie einem Auftritt von Gregor Hägele belohnt. Der 25-jährige Sänger – verantwortlich für die Nationalhymne beim NFL-Spiel 2023 in Frankfurt – zeigte sich nach seiner Performance begeistert von der Stimmung: „In nicht einmal drei Jahren so eine Fanbase aufzubauen, ist sehr krass!“
Unter anderem gab er auch das Lied „Paracetamol“ zum Besten. Kopfschmerztabletten brauchten nach Wiederanpfiff aber nur noch die Gäste aus Polen. Die Ravens zeigten sich stark verbessert und ließen, angeführt von Quarterback Russell Tabor und seinen grandiosen Läufen, zu keinem Zeitpunkt Zweifel an Saisonsieg Nummer neun aufkommen.
„Wir haben hier etwas Spezielles kreiert, ich bin sehr stolz, wie wir über die letzten Wochen gewachsen sind“, so ein deutlich zufriedenerer Kendral Ellison nach Abpfiff.
Vor dem letzten Spiel der regulären Saison gegen Madrid (10.8.) pausiert die Liga zwei Wochen. „Ich freue mich über die Auszeit und werde mir ein wenig Europa anschauen“, kündigte Ravens-Verteidiger Dexter Fitzpatrick an. Nach dem Duell mit den Bravos peilen die Münchner dann ihren ersten Playoff-Sieg an, alles, was danach kommt, ist unsicherer denn je. MM