Singapur – Weltmeister, Weltrekordler und Olympiasieger – Lukas Märtens hat Paul Biedermann schon übertrumpft. Doch in einem liegt sein Vorbild aus Kindertagen noch vor ihm: Der einstige Star im Hightech-Anzug ist der letzte deutsche Beckenschwimmer, der bei einer WM zweimal Gold gewann. Doch von diesem Vergleich will der 23-Jährige nichts hören.
„Nein“, antwortete Märtens kurz und knapp auf die Frage, ob er seine Chance auf das WM-Double im Hinterkopf habe. Der Magdeburger, seit seinem Triumph über 400 m Freistil der unangefochtene Biedermann-Nachfolger als Deutschlands Schwimmstar, hatte gerade mit mehr Mühe als erwartet als Siebter das Finale in Singapur über die doppelte Distanz erreicht.
„Es war alles nicht so leicht, es haben auch ein paar Konkurrenten zu kämpfen gehabt“, gab Märtens zu, der in 7:45,54 Minuten mehr als sechs Sekunden über seiner Bestzeit geblieben war. „Ich habe mich nicht besonders gut gefühlt, deshalb auch nicht mit einer super schnellen Zeit gerechnet. Ich wollte auch nicht all-in gehen.“
Im Endlauf über 800 m am Mittwoch (13.02 Uhr MESZ) muss Märtens auf der Außenbahn eins an den Start gehen. Das zweite Gold und damit das erste WM-Double seit Biedermann 2009 – damals über 200 und 400 m – scheint weit entfernt. Die Konkurrenz mit dem dreimaligen Olympiasieger Bobby Finke (USA), seinem australischen Rivalen Samuel Short, den Märtens über 400 m um zwei Hundertstelsekunden schlug, und Europarekordler Sven Schwarz machte einen besseren Eindruck. „Es war ein bisschen anschnuppern, gucken, was die anderen machen“, meinte Schwarz, der die drittbeste Zeit (7:43,60) verbuchte: „Keiner wollte die Karten so richtig auf den Tisch legen.“ Der Weltjahresbeste aus Hannover gilt – mehr als Märtens, Zweiter der Weltrangliste – als Goldkandidat. „Man geht mit vollem Selbstbewusstsein hier rein“, sagte Schwarz, auf seinen Europarekord im Mai (7:38,12) angesprochen, „man ist sich aber auch bewusst, dass man als der, der zu schlagen ist, gilt.“ Diesen Druck hat Märtens nicht. „Mein Soll ist hier erfüllt, deswegen bin ich ganz entspannt.“SID